Di 1.11.2005 – Fr 4.11.2005

Zerebrale Malaria Tropica

Rüdiger hat heute Nacht extrem schlecht geschlafen. Selbst nach einem Kaffee gefolgt von Mate-Tee fühlt er sich noch total schlapp. Er hat auch auch leichten Durchfall und eine verstopfte Nase. Könnten erste Malariasymptome sein! Er nimmt sicherheitshalber die Malariatropfen, denn in Angola ist zu über 85% das  Plasmodium falciparum, also der Malaria tropica-Erreger, vorhanden. Durch diesen fiesen Einzeller sterben jährlich Millionen, da unter anderem die alten wirksamen Medikamente, durch fleißige Verschreibung als Vorbeugung von Tropenärzten für Touristen unwirksam geworden sind. Die Folge: Die neuen Medikamente sind zu teuer! Sogar Malarone, eine der derzeit wirksamsten Waffen gegen Malaria wird bereits, von unserer Meinung nach verantwortungslosen Ärzten, zur Prophylaxe verschrieben – im Beipackzettel wird es auch bereits als vorbeugendes Medikament beschrieben. Doch selbst damit kann man Malaria bekommen und was macht man dann? Komplizierte und extrem schädliche Kombinationstherapien sind dann notwendig. Unsere Meinung dazu: Geschäftemacherei auf Kosten der dritten Welt. Die meisten Afrikaner erkennen Malaria bereits rechtzeitig vor dem Fieberstadium und behandeln, wenn sie sich die Medikamente eben leisten können - außerdem sind sie meistens Semiimmun. Dann ist selbst die Tropica ähnlich der Grippe bei uns meist sogar harmloser - aber eben nur dann! Besonders Touristen, die die ersten Anzeichen aus Unwissenheit und mangelnder Aufklärung nicht erkennen warten oft so lange, bis es beinahe zu spät ist: 4% sterben, bei den über 60-jährigen sogar 16%. Dabei sind die Symptome längst nicht so schwierig zu erkennen, wie es einem einige Tropenärzte immer weismachen wollen.

Auf der Homepage von Ärzte ohne Grenzen steht über die zerebrale Verlaufsform der Malaria tropica folgendes: Bei der komplizierten Malaria tropica kann dies (Anm.: Verklumpung der Blutgefäße und daraus resultierende Unterversorgung des Organsystems, insbesonders des Gehirns mit Sauerstoff, etc.) zum Kreislaufschock, Lungenödem und akuten Nierenversagen führen. Wenn auch das Gehirn betroffen ist (zerebrale Malaria), kommt es zu Bewusstseinstörungen und Verwirrtheit bis hin zum Koma. Die zerebrale Malaria stellt die schwerste Verlaufsform der Malaria tropica dar und führt in vielen Fällen – auch bei Behandlung – zum Tod.

Rein in den Busch!

Die kleine feine Buschpiste ist mal sandig, dann von Geröll durchsetzt bis wir zu einer Tiefsandstelle kommen - Rüdiger steigt aus. Ein Mukobalehirte schaut fasziniert zu, was der Weiße denn da jetzt so macht.

»Ich sehe mir das mal an!« und fünf Minuten später, »machbar!«, Rüdiger überzeugt.

»Bist du sicher, dass du dich für so eine Strecke gut genug fühlst? Das wird nämlich Arbeit à la Lac Tchad. Wenn wir jetzt nicht umkehren, kämpfen wir uns durch. Später tun wir es sicher nicht mehr, wie ich uns kenne.«

»Hmm, ich fühle mich wie erschlagen. Habe momentan keine Lust auf Abenteuer pur. Mein Bedarf ist gedeckt.«

»Umkehren ist wahrscheinlich das Vernünftigste!«

Kurz nach Virei fühlt sich Rüdiger extrem schlapp: »Denke ich habe Temperatur.«

»Das ist sicher nur die Hitze!«

»Ich werde doch noch wissen, wenn ich Temperatur habe. Ich hole mal das Fieberthermometer.«

»39,9° C! Jetzt mußt du übernehmen! Ich kann nicht mehr.«

»Muß das sein, ich will nicht! Du hast doch gesagt die Piste ist entspannend.«

»Hey, ich habe fast 40 Grad Fieber! Da geht nichts mehr!«

Bei Namibe errichten wir direkt am Strand unser Krankenlager.

Zerebrale Malaria Tropica – Tag 1

Rüdiger hat ein Bündel von Malariasymptomen: Verspannter Nacken, hohes Fieber, Druckpunkt bei den seitlichen Zwischenrippen schmerzt, Kopfschmerzen und leicht verschnupft. Außerdem: Schmerzen in den Gelenken, bei den Schultern und der Lendenwirbelsäule samt leichtem Durchfall. Akutphase: Alle 15 Minuten Tropfeneinnahme.

Nach der ersten Einnahme geht das Fieber kurz auf 39,1° C herunter, um danach wieder auf 39,7°C anzusteigen und dann immer dazwischen zu pendeln. Nach einer guten Stunde schmerzt der Zwischenrippendruckpunkt  nicht mehr. Der Nacken hat sich auch spürbar gebessert, genauso die Schulterpartie und das Kopfweh ist vorerst einmal verschwunden. Die Schmerzen in den Fußfesseln und in der Lendenwirbelsäule sind stärker geworden. Insgesamt fühlt sich Rüdiger wesentlich besser als zu Beginn der Malariaattacke. 

Ein wenig nach Namibe stellen wir uns wieder an unser Strandplätzchen. Nach dem Ausräumen ist das Fieber wieder von 39,4 auf 39,7° C angestiegen. Der Kopf beginnt wie rasend zu schmerzen, scheint geradezu zu zerspringen. Zusäzlich kommt leichter Schüttelfrost auf. Kopfwehtabletten sind jedoch aufgrund ihrer fiebersenkenden Wirkung tabu! Das hohe Fieber ist wichtig um dem Malariaerreger den Garaus zu machen.

»Die Akutphase ist vorbei, ich habe nur noch 38,2° C! Nehme die Tropfen nur noch jede Stunde«, Rüdiger glücklich.

Autsch! Verschaut, es waren 38,7°C und erst unter 38,4° C tötet der Körper kaum mehr Erreger ab. Eine Stunde später ist das Fieber wieder auf 39,9° C. Hartnäckig dieser Einzeller!

Bis 23 Uhr nimmt Rüdiger die Tropfen in regelmäßigem 15-Minuten Takt, danach bis 1 Uhr jede Stunde. Um 3 Uhr ist das Fieber auf 38,2° C gesunken, doch die rasenden Kopfschmerzen haben sich verstärkt. Jetzt kann Rüdiger endlich ein, nein zwei Thomapyrin nehmen – das Fieber ist sowieso schon herunten und der Erreger hoffentlich halbwegs schachmatt.

 

Tag 2

Das Fieber ist auf 36,6°C Normaltemperatur zurückgegangen. Rüdiger fühlt sich so schlapp und schwach wie selten in seinem Leben. Wir legen einen Erholungstag ein. Gisi am Strand, Rüdiger in Hidalgo. Einmal pro Stunde gibt’s den ganzen Tag lang die Tropfen und ab morgen drei mal täglich. Wir haben seit Zentralafrika einige male erfolgreich Menschen mit Malaria behandelt,  doch irgendwie scheint es bei Rüdiger nicht zu wirken. Gegen Abend steigt das Fieber munter auf 39,7° C an und die Tropfen bewirken anscheinend wenig. Nun ist Plan B angesagt – wir suchen die Malarone heraus und Rüdiger schluckt die erste Dosis. Es wird eine schlimme Nacht.

 

Tag 3

Das Fieber ist am Morgen bei 39,9° C. Der Kopf schmerzt extrem. Rüdiger ist sogar zu schwach, um den Löffel für‘s Essen zu halten. Außerdem ist ihm speiübel von den Malarone. So verzichtet er lieber ganz auf’s Essen.

Gegen Abend steigt das Fieber auf 40,3° C – das wird nun entschieden zu hoch. Rüdiger fühlt sich zwar noch nicht im Delirium, senkt es jedoch mit einem Aspirin auf 39° C ab.

 

Tag 4

Heute ist Rüdiger endlich transportfähig. Wir fahren zu einer kleinen feinen Klinik, die uns von der Managerin von Ricos Hauptquartier empfohlen wird. Ihr Cousin zeigt uns den Weg. Der Arzt meint zu Rüdiger, als er ihm die Symtome beschrieben hat. »Das ist zerebrale (Anm.: Hirnschwellung) - Malaria mit Plasmodium falciparum!«, also der Tropica. Nach dem Bluttest ist er sicher: »Eindeutig Malaria! Sie sind der erste fremde Weiße, den ich nicht sofort an den Chinintropf hängen muß!« Das Fieber ist auf 37,4° C gesunken und nicht mehr allzuviele Malariaeinzeller – Plasmodium falciparum – vorhanden.

Verhandlung

Der Arzt verhandelt mit Rüdiger: »Sie müssen drei Tage Ruhepause einlegen!«

»Geht nicht das Visa läuft bald aus!«

»Wenigstens einen Tag!«

Er meint natürlich den nächsten Tag, denn es ist 16 Uhr. Wir müssen jedoch sofort weiter, denn ein Angolavisum beantragen oder gar verlängern gehört zu den mühsamsten Sachen die man sich antun kann. Gisi fährt sofort zurück nach Lubango, denn bei Pater Josef und Viktor haben wir eine sichere Unterkunft. Die beiden staunen nicht schlecht uns wieder zu sehen.

 








Kommentare

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