Di 8.11.2005

Zurück im Busch?

Wir sind fünf Kilometer querfeldein von der perfekt geteerten Straße abgebogen. Drei Dörfer befinden sich in wenigen hundert Meter Entfernung. In Angola kein Problem – Namibia ist jedoch anderes. Eigentlich sollten wir es inzwischen wissen: Neues Land – neue Regeln!

»Good Morning! Good Morning!«, tönt es zunächst zaghaft aus Erwachsenen- und Kinderkehlen.

»Es ist doch erst 5:30 Uhr.«, flüstere ich Gisi zu.

»Good Morning! Good Morning Mister!«, steigern sich die Kleinen zu einem Kreischkonzert.

Wir schlafen hartnäcking weiter bis Stunden später nur noch ein paar die Kids auf uns lauern.

»Wuahhh!«, stürme ich aus dem Bus in die karge Landschaft.

Auftritt gelungen! Die Kleinen sausen erschrocken davon. Halten sich in sicherer Distanz zum ›weißen Ungeheuer‹.

»Ich bin ja so was von fies!«, streife ich mit sardonischem Grinsen um Hidalgo, »was ist nur los mit uns?«

»Wunderst dich? Wir stehen seit dem Tschad unter permanenter Anspannung. Ich hab habe mich genauso wie du auf Entspannung gefreut. Dann werden wir wieder wie in Westafrika belagert. Ohne Pause wird es uns zuviel.«

 

Die Bürgermeisterin kommt in Begleitung des Dorfältesten und einer jungen Frau, während wir gerade das Frühstück vorbereiten.

»Seid ihr aus Südafrika?«

»Nein aus Österreich in Europa. Wir waren zuvor in Angola!«

»Angola das ist gut! Die Leute haben Angst vor euch. Während dem Krieg kamen immer die weißen Geister um unsere Dörfer nieder zu brennen.«

»Wir sind nur Reisende...«

»Dann dürft ihr gerne bleiben!«

 

Soldaten aus Angola

Raphaela, die Tochter eines früheren Dorfchefs. Sie lebt und arbeitet als Krankenschwester ein modernes Leben. Am Wochenende entspannt sie sich gerne in ihrer traditionellen Hütte im Dorf. Sie erklärt uns weshalb die Dorfbewohner so aus dem Häuschen sind.

»Genau da wo ihr mit eurem Bus steht, campierten während dem Krieg öfters die Kämpfer aus Angola – immer in Gruppen zu zehn Mann. Ebenso unter den anderen großen Bäumen in 500 Meter Umkreis. Da war alles dicht verwachsen. Die Bewohner der drei umliegenden Dörfer hassten die Südafrikaner wegen ihrer Apartheidpolitik abgrundtief. Deshalb haben sie immer die halb verhungerten Angolaner unterstützt. Die Südafrikaner brannten als Rache immer wieder ihre Hütten nieder. Deshalb haben sie Angst vor euch!«

 

Wie auf Stichwort fährt ein Polizeiwagen vor. Zwei Polizisten in Uniform und zwei in Zivil schälen sich aus den Auto.

»Wer seid ihr und was macht ihr denn hier?«, wollen sie von uns wissen.

»Wir sind Österreicher! Europäer! Wir übernachteten hier. Wir werden auch heute noch weiterfahren!«

»Die Leute hier haben Angst, weil ihr gestern Abend hier stehen geblieben und heute in der Früh nicht heraus gekommen seid.«

Nach einigen Minuten ist die Situation geklärt. Eines der anderen Döfer fürchtete sich zu sehr vor uns weißen Geistern. Man hat uns doch tatsächlich für Soldaten aus Südafrika gehalten, die das Dorf brandschatzen wollen.

 






Kommentare

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