Do 10.2.2005 – 1.1.1426 im arabischen Raum

Klopf, klopf gegen 8 Uhr. Nach einer Pause wieder. Rüdiger zog sich an, man will ja seine Gastgeber nicht vor den Kopf stoßen. Frische, warme Kuhmilch und Brot hielten die Frau von Cherife und seine Tochter für uns bereit. Wir revanchierten uns mit Kaffee und Nutella. Die beiden sprechen nur arabisch – ein wenig verstanden wir uns dann mit unserem Ohne Wörterbuch mit rund 500 Bildern des Alltags. Dies sorgte schon auf früheren Reisen für Heiterkeit. Wau, wau, pflichtgetreu meldete der Hofhund jeden Gast. Auffallend war die Scheu der beiden Frauen anderen, nicht so eng befreundeten, Männern gegenüber – das Tuch wurde immer vor den Mund gehalten. Rüdiger hatte wohl eine Art Sonderstatus erhalten, denn mit ihm lachten und amüsierten sie sich.

Wir waren auf einen kleinen Spaziergang eingestellt. Somit nahmen wir kein Wasser mit. Schlechte Idee – es wurde ein ganzer Tagesausflug. Die beiden Lehrer Tarik und Radwon hatten den gesamten freien Tag für uns reserviert. Heute war der erste Tag des Jahres 1426 der arabischen Welt. Der Wind blies fürchterlich, wir konnten uns sogar dagegen lehnen. Der Himmel blau und der Idriss Al Awuelle Stausee leuchtete in der verschiedensten Blau- und Türkistönen. Im Gehöft von La’Hssan bekamen wir Tee. Unser Gastgeber konnte köstlich Geschichten erzählen, die Tarik übersetze.

Vor über zwanzig Jahren war er mit einem britischen Landvermesser in der Gegend unterwegs. Statt dem Stausee existierte eine weitläufige Obstplantage. Der Brite konnte von der Schischa mit Hasch nicht genug bekommen. Er rauchte so viel, dass es ihm buchstäblich zu den Ohren und aus der Nase rausrauchte. Der vollkommen stonte Vermesser legte sich schließlich unter einem der Bäume schlafen. Gegen zwei Uhr am nächsten Nachmittag hatte er sich noch immer nicht gerührt. La’Hssan befürchtete das Schlimmste. Kein Rütteln und Schütteln half, der stonte Mann rührte sich nicht. Erst gegen Abend erwachte er langsam wieder zum Leben. Noch spannender als die Geschichte war die bildhafte Gestiksprache des Erzählers.

Weiter zum See. Ein Hirtenjunge mit Ziegen und Schafen zeigte uns stolz den Nachwuchs. Wir fühlten uns wie auf einer Uniexkursion. Die beiden zeigten uns ständig Interessantes. Die getrockneten besonders harten Blüten einer Pflanze sind ideale Zahnstocher. Die ganze Pflanze wird neben Schilf, Holz und einem Lehm-Strohgemisch für das Dach der Gehöfte verwendet. Die Mauern bestehen aus Ziegeln mit lehmhaltiger Erde, verputzt mit einem Gemisch aus Lehm und Stroh. Das Ganze wird mit einer beigeweissen Milch getüncht, die aus einer lehmigen Erde am Rande des Sees gewonnen wird. Die Bauweise hat gegenüber den modernen Betonbauten enorme Vorteile. Im Winter angenehm gedämmt und warm, im Sommer kühl. Die Männer übernehmen den Rohbau, die Frauen die feinen Verzierungen und Malerarbeiten. Die gesamte Bauweise erläuterten sie uns anhand eines verfallenen Hauses, am Rande des Stausees. In der Mitte liegt immer ein zentraler Hof, darum sind die Häuser, Nebenhöfe und diversen Ställe angeordnet. In manchen Gehöften mit, bei La’Hssan, wie wir feststellen konnten auch ohne Toilette. Gisi wurde einfach zu den laut protestierenden Schafen in einen Nebenhof geschickt und Rüdiger vor’s Haus. Klopapier gibt’s natürlich auch keines, in den meisten Ländern der arabischen Welt und auch für weite Teile Asiens ist Wasser samt der linken Hand üblich. Woran wir uns nicht so schnell gewöhnen wollen und uns deshalb in Spanien noch große Vorräte zugelegt haben. Bei La’Hassan bekamen wir eine feines Mittagessen: Hühnchen mit Safran und Eiern – alles ganz Bio – wir merkten es gleich am Geschmack. Als Dessert Orangen und Äpfel. Gisi durfte dabei bei den Männern sitzen, eine große Ausnahme. La’Hssan fand es sehr amüsant eine Frau an seiner Seite zu haben und bat Rüdiger später ein Foto mit ihm und Gisi zu machen. Westliche Frauen bekommen in der Regel eine Art Männerstatus zuerkannt, wenngleich hier auch die traditionellen Männer sehr liberal sind. Die Frauen zeigen sich auch immer wieder kurz. Rüdiger konnte sich sogar den Hautausschlag einer der Frauen ansehen, da eine schlimme Erkrankankung befürchtet wurde. Es handelte sich um lästige, jedoch in keiner Form bedrohlichen Stechwarzen um die Bauchgegend herum, ein Arztbesuch wäre jedoch angebracht. Der älteste Sohn hatte sich den Mittelfinger angebrochen. Er bekam einen Verband verpaßt, denn zum Arzt wollte er trotz Anraten Rüdigers nicht. La’Hassan bat noch um einen Streifen Aspirin gegen Kopfweh.

Der Hof wurde uns ganz genau gezeigt. Der Sohn des Hauses legte Wert darauf, dass Rüdiger auch alles schön ablichtet. Die Bilder der Digikamera konnten dann alle gleich bestaunen.

Machten uns wieder auf den Weg um noch bei einem anderen Gehöft auf Tee und Kaffee einzukehren. Es gab auch wieder die obligatorischen Eier, die wertvoll und speziell für Gäste zubereitet werden. Marokko entwickle sich in den letzten Jahren langsam zu einer modernen Gesellschaft, die jedoch auch die Traditionen nicht vergesse, meinte Tarik. Es ist für Ihn auch wichtig, dass man den Islam nicht wegen einiger Extremisten im Gesamten pauschal verurteilt. Der Islam ist vom Grunde auf eine sehr tolerante Religion anderen gegenüber. Die Gastfreundschaft hat in dieser Gesellschaft einen extrem hohen Stellenwert. Weshalb sie in dieser Hinsicht Europäer nie verstehen werden.

 













Kommentare

Anzeige: 46 - 50 von 584.
 

Sofia Sofia aus Sainte-Genevieve-Des-Bois

Freitag, 14-07-17 22:27

all natural appetite suppressant

 

Lin Lin aus Salerno

Freitag, 14-07-17 22:00

erectile dysfunction remedies

 

Peter Peter aus Loosdrecht

Freitag, 14-07-17 20:50

appetite suppressant

 

Damaris Damaris aus Duel

Freitag, 14-07-17 19:27

appetite suppresssants

 

Ezra Ezra aus Vlaardingen

Freitag, 14-07-17 19:16

enhance male

 
 

Kommentar abgeben

Ins Gästebuch eintragen
CAPTCHA-Bild zum Spam-Schutz