Do 1.9.2005

CONGOFAHRT TAG 6:

In der Gewalt der Immigrationspolizei und Police Nationale

Es ist jetzt 13:16 Uhr, um 12:15 haben sie Kapitän Henri Delmotte wieder mit der kleinen motorisierten Piroge gegen seinen Willen weggebracht. Mit Verzweiflung müssen wir uns mit ansehen, wie das Boot Richtung Boyellé Village gegen die Strömung zurückfährt – zum heulen.

Was zuvor passiert ist: Die Nacht verläuft ruhig, Henri und der Finanzchef, Martin Bunzonzi sind verhaftet worden. Schwester Dorothy erschüttert, was sie gestern Nacht mitbekommen hat: „Einer hat oben bei der Brücke geschossen, weil der Kapitän das Boot nicht sofort anhalten konnte und ihm dann die Kalschnikow gegen die Schläfe gehalten.“

F o l t e r !

Henri setzt sich zu uns und zeigt uns seine Wunden, die er von den permanenten Schlägen von den Polizisten erhalten hat – 55 Minuten lang: „Man führte mich in ein Hotelzimmer. Um fünf Uhr kamen Militärs und brachten mich zum Verhör in die Polizeistation. Dabei haben sie hier kein Recht ein Boot anzuhalten oder zu kontrollieren (Anm.: Die Dauphin fährt hier seit Jahren unbehelligt bei Nacht durch). Das dürfen sie nur, wenn wir anlegen. Um 8 Uhr wurde ich von Ramses und Landri, wohl Pseudonyme vollständig entkleidet und am Zellengitter festgebunden. Ich weiß nur noch dass sie zur Police Nationale gehören. Dann begannen sie mich mit einem Gummischlauch zu schlagen. Eine Ewigkeit, auf der Uhr an der Wand vergingen 55 Minuten. Ich sagte ihnen, dass ich heute meinen 33 Geburtstag habe. Sie meinten, dafür schlagen wir dich 33 Mal noch härter als Geburtstagsgeschenk. Scheiß Ausländer, Schwuler usw. folgten die Beschimpfungen auch noch die ganze Zeit. Danach wurde ich von Ramses weiter verhört, bekam Ohrfeigen und man stieß mir drei Mal einen Gewehrkolben gegen die Brust...“

Sein Rücken sieht arg aus, obwohl auf schwarzer Haut im Vergleich zu unserer hellen Haut kaum etwas zu erkennen ist. Zwei kleine Stellen sind offen, zwei große Blutergüsse in der Mitte des Rücken und unzählige Kleine – Bestien! Wir können noch nicht fotografieren damit wir Beweise vorweisen können, da die Verbrecher noch an Bord sind. Wir geben Henri etwas gegen den Schmerz und den Schock – es schlägt gleich an. Der extrem kräftige, kahlköpfige, Bulle von gestern Abend, Jean-Claude hat AMITE auf seinen rechte Unterarm tätowiert und zwei Schriftzüge auf dem anderen. Er ist der Chef und hat das Sagen, gemeinsam mit einem ebenfalls kahlköpfigen mittelkräftigen Schnauzbart-Zivilsten, der das Boot gefahren hat. Ein junger Soldat mit einem Sturmgewehr, es ist ausnahmsweise mal keine Kalaschnikow, stolziert wichtig herum – Finger am Abzug und deutet immer wieder mal in seiner Ungeschicktheit auf Menschen – auch auf uns. Man preßt Geld aus den Leuten heraus, uns lassen sie derzeit in Ruhe, sie fürchten sich wohl vor Komplikationen mit Weißen, dabei haben sie die ja bereits mit ihrer Handlungsweise. Wir werden diesen Vorfall sicher nicht auf sich beruhen lassen, schließlich werden wir auch gegen unseren Willen festgehalten - also auch noch Freiheitsberaubung. 250 000 CFA, 376 EUR will man der Bootsbesatzung abpressen – der Finanzchef, Martin Bunzonzi und Kapitän Delmotte weigern sich zu zahlen. Dies ist Erpressung oder grenzt schon an Raub? Die Grenzen zwischen Polizeikontrolle und Überfall sind bereits verschoben. Objektiv betrachtet dürften folgende Delikte anliegen: Körperverletzung, zweimaliger illegaler Gebrauch einer Schußwaffe mit Gemeingefährdung (der erste Schuß war unter einem Meter über unseren Köpfen), Nötigung, Erpressung, Korruption, Amtsmißbrauch, Entführung, Freiheitsberaubung und Raub. Wir hoffen unbeschadet aus dieser Situation herauszukommen und beten für Henri, dass sie ihn nicht zu schwer verletzen.

Um 16:07 Uhr legt die Piroge der Police Nationale mit Kapitän Henri Delmotte an. Es werden 5 große Säcke mit Erdnüssen verladen: Wert gute 250 000 CFA, 376 EUR... Das ganze ist wahrlich nichts anderes als ein getarnter Überfall mit einem Bündel anderer Verbrechen im Schlepptau! Rüdiger hat die wegfahrende Piroge mit den Polizisten und den Erdnüssen in den Säcken in der Mitte fotografiert. Das Beweisfoto ist natürlich eine Zitterpartie!

Wer gestern geschossen hat können wir auch in Erfahrung bringen, es war Okombi von der Immigrationspolizei.

Um 17:02 fahren wir endlich vom eigentlich idyllischen Ufer weg. Der Mensch macht sich selbst The Horror! The horror. - wir wollten ja auch unbedingt durchs Herz der Finsternis schippern.

Geben auch Ali, dem Nomadenboß aus dem Tschad, dem arge Erinnerungen hochkamen und der deshalb gestern beim zweiten Schuß schwer gestürzt ist unser Mittelchen. Er hat sich beide Rippen geprellt und arg aufgeschürft – es schlägt sofort an!

Am Abend sitzen wir mit Henri zusammen und stoßen mit einem Mojito Auf seinen 33 Geburtstag an, und dass er nicht mehr in den Händen der Folterknechte ist. Es ist das dritte Mal daß man ihn foltert. Die ersten beiden vorigen Male in der RDC – Congo-Zaïre, deshalb flüchtete er in die RC – Congo-Brazzaville: „Und auch hier geschehen diese Übergriffe – ich möchte nur noch weg. Die ersten beiden Male wurde ich ausgepeitscht, da ich mich weigerte mit dem damaligen Boot in den Krieg zu ziehen. Ich will in keinem Krieg und Menschen töten! Afrika hat bereits zuviel Blut vergossen. Da müssen sie mich schon totshlagen. Bei Nacht flüchtete ich in einer Piroge nach Brazza. Fand erst nach einer Woche Unterkunft und langsam Arbeit. Ich bin ja auch gelernter Mechaniker und kann von Autos über Schiffsmotoren bis LKWs alles reparieren. Mein Haus und Vermögen haben sie natürlich konfisziert, ebenso die Großwerkstatt meines Vaters. Die Kinder und meine Frau sind dann später nach gekommen. Ich kann meinen Vater nicht mal anrufen, da angeblich das Telefon abgehört wird.“

„Weshalb haben sie uns eigentlich so in Ruhe gelassen und richtiggehend Angst vor uns gehabt?“, fragen wir Henri. „Wir haben ihnen schon gestern gesagt dass ihr aus der Union Européenne aus Autriche seid und dass die République de Congo und damit sie massive Probleme bekommen, wenn sie euch auch nur ein Haar krümmen!“ – „Außerdem sind wir damit neutral als Beobachter in der Mitte und damit kann die Situation nicht so leicht vollkommen außer Kontrolle geraten. Schutz für beide Seiten, sehr schlau!“, vervollständigen wir Henris Ausführung. „Sie hatten außerdem Angst, dass ihr über ein Sat-Telefon verfügt und waren vollkommen überrascht Weiße auf dem Boot vorzufinden. Es waren noch nie welche am Boot.“

Zum Glück hatte der elende Hund von gestern, der meinte: „Die Weißen morgen zuerst ...“ nicht viel zu sagen, wer weiß was sie sonst mit uns angestellt hätten. Unsere Schutzengel hatten wohl eine Sonderschicht ;-)

Das Schicksal meint es gut mit uns – heute sind wir genau acht lange Monate unterwegs und wieder frei.

 











Kommentare

Anzeige: 56 - 60 von 4951.
 

Igoramind IgoramindDY aus Igoramind

Sonntag, 19-11-17 08:40

comprar cialis 10 o 20 mg

generic cialis online

generic cialis online

cialis generika empfehlen

 

Igoramind IgoramindDY aus Igoramind

Sonntag, 19-11-17 08:21

20 effects cialis

cialis cheap

generic cialis online

cialis generico svizzer

 

Igoramind IgoramindDY aus Igoramind

Sonntag, 19-11-17 08:05

what is generic cialis soft

http://cialisbuyhaq.com/ - buy cialis

cialis online

cvs caremark cialis

 

Igoramind IgoramindDY aus Igoramind

Sonntag, 19-11-17 07:51

cialis nline

http://cialisbuyhaq.com/ - cialis

generic cialis online

cialis a basso prezzo

 

Igoramind IgoramindDY aus Igoramind

Sonntag, 19-11-17 07:44

cialis ricetta ripetibile

http://cialisbuyhaq.com/ - generic cialis

generic cialis

cialis dosage options forum

 
 

Kommentar abgeben

Ins Gästebuch eintragen
CAPTCHA-Bild zum Spam-Schutz