Fr. 1.7.2005

TAG 2 - DIE ERSTEN ÖSTERREICHER

 

Besuch vom Militär

Wir sind gerade beim Frühstücken, als das Militär auftaucht. Immer schön freundlich sein ist die Devise. Zuerst sind sie barsch:

»Was macht ihr hier?«

»Gestern hat uns der Orkan mit dem Regen überrascht!«

»Ich will den Kanister haben!«, einer der Soldaten fordernd.

Wir bleiben freundlich, die Situation kann sonst sehr schnell ins Negative kippen und sie haben die Waffen.

Gisi kontert scherzend: »Ich hätte auch gern vieles. Ein Haus!«

Gelächter!

Einem fällt aus lauter Nervosität das Schnellfeuergewehr vom Miltitärfahrzeug. Nach kurzer Zeit schwenken die Militärs, wenn man scherzend freundlich bleibt auch auf nett um.

 

Sie wollen sogar unbedingt, dass wir mit ihnen für ein Foto posieren und Adressen austauschen. Unglaublich, vor drei Minuten waren wir noch nicht sicher ob sie uns nicht einiges abknöpfen werden. Lächeln ist in solchen Situationen also immer am besten. Man darf sich außerdem nicht einschüchtern lassen, sollte das ernste Getue einfach ignorieren und das ganze mit Humor nehmen. Wir wissen, es wird uns nicht passieren!

 

Die Höllenfahrt

Es geht weiter – über Nacht sind die Wasserlacken wieder aufgetrocknet.

Die Grenze des Niger sind ein paar Hütten, nur durch den grimmigen Militär davor erkennbar. Drinnen sind sie freundlicher ...

 

Wir lassen die Luft auf 1 bar in den Reifen. Die Strecke hat es in sich – Weichsandstellen, die überhaupt nicht tragen, Dünen, die wir geschickt anfahren müssen und immer wieder tiefe Spurrrillen von einem der LKWs, die leider auch auf der Strecke fahren. Meistens finden wir für diese Stellen einen Bypass und bei einer besonders gemeinen Stelle graben wir uns das erste Mal ein wenige Kilometer später ein weiteres Mal.

 

Vor der Grenze zum Tschad, Daboua befinden wir uns in einer Dünenlandschaft die eigentlich für ein Auto mit Hinterradantrieb nicht zu befahren ist. Mit viel Geschick von Rüdiger und blitzschneller Reaktion meistern wir die höllischen 3 Kilometer, vollkommen abseits der Piste und ohne Vergraben. Dabei kommen Rüdiger die Erfahrungen vom Mountainbiken zugute, wo auch blitzschnell Entscheidungen beim Weg suchen getroffen werden müssen. Aufgeschreckte und an den Vorderläufen gefesselte Kamele hüpfen davon. Esel laufen vor Hidalgo, der wild hupend daherkommt um ihr Leben. Plötzlich ein Busch mitten im Weg – 2,8 t walzen ihn einfach platt. Dann wieder kurz die Piste, der einzige Weg über eine Düne: Vollgas mit der zweiten – schnell zurückschalten und wir sind drüber.

 

Dann kommt der absolute Hammer: Eine Riesendüne, die auch Geländewagen nur scher meistern. Zum Glück befindet sich unten endlich fester Grund und wir können anhalten und das Hindernis begutachten. Nach einer halben Stunde haben wir die beste Stelle zum Befahren der die Düne gefunden und kommen ohne Probleme über den letzen Stolperstein vor der Grenze.

 

Grenze zum Tschad

 

Bei der Grenze haben wir Schwierigkeiten einen Platz mit sicherem Grund zu finden und halten dicht bei der Gendarmerie. Man heißt uns herzlich willkommen, notiert unsere Daten – weiter zur Polizei, die alles noch einmal notiert und hätte gerne ein Souvenier d’Autriche - die Cadeaufrage auf freundlichere Art als sonst. In Zukunft werden wir dann Österreichpickerl verteilen ...

 

Die ersten Österreicher

 

Den einzigen Zöllner des Kaffs muß man erst holen. Wir sind die ersten Österreicher, die er abfertigt, ansonsten Franzosen, Italiener und natürlich Deutsche. Das wir ohne 4x4 die Strecke über die Dünen gekommen sind kann er kaum glauben – wir auch nicht. Normalerweise geht einige Kilometer nördlich eine einfachere Strecke für die kleinen 4x4 – nur die kannten wir eben nicht. Zum Glück sind wir über den Niger gekommen, ansonsten bräuchten wir ein Carnet des Passage. So bekommen wir eine temporäre Einfuhrgenehmigung bis Bol für 6 Tage, das Passavant Descriptif, die temporäre Einfuhrgenehmigung.

 

Dann gibt es noch den Sicherheitsdienst, der nochmals alles aufnimmt. Jetzt haben sie also vier mal alle Daten – Gendarmerie, Polizei, Zoll und die SÜreté - aufgenommen. Wie sinnvoll!

 

Heute sind wir ein halbes Jahr unterwegs – 14 500 Kilometer

 

Am Abend feiern wir mit einem Gläschen Wein unser halbjähriges weltleben.at-Reisejubiläum. Prost!

 







Kommentare

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