Mi 25.4.2005

Swakopmund

Über Swakopmund liegt der übliche morgendliche frische Dunst. Beim Spaziergang am Meer wird uns trotz Jacken bitter kalt. Die Wellen donnern mit Getöse gegen den Sandstrand. Drei Fischer haben ihre rund drei Meter langen Angelruten ausgelegt. Eine der Spitzen zuckt leicht. Der Fischer kurbelt und kurbelt bis ein kleiner Winzling am Angelhaken zum Vorschein kommt.

»Muss zurück ins Meer.«, oder so etwas ähnliches murmelt er auf Afrikaans.

Wir schlendern weiter zu einem Pier, wo zwei Musiker mit selbst gebauten Instrumenten gute Laune verbreiten.

 

Treffen Maryna und Toit

Heute sind auch Maryna und Toit von der Kamrav-Farm in der Stadt, um den Baufortschritt ihrer neuen Wohnung zu begutachten. Toit holt uns mit seinem roten, gut zwanzig Jahre alten Golf beim Kunstmarkt ab.

»Zu Mittag gehen wir im Golfclub Fisch essen! Damit ihr mal seht, dass es hier außer Sand auch anderes gibt.«

»Zuvor brauchen wir neue Vorderreifen. Der Linke hat inzwischen 13 winzige Löcher und verliert in der Nacht seit gestern zwei bar.

»I’ll show you. Während wir Mittag essen machen sie euch die Reifen.«

Beim Golf Club lernen wir Heidi und Otto kennen. Heidi war früher die Nachbarin von Toit und Maryna auf der Farm nebenan. Sie hat ein schönes Haus in Swakopmund, wo sie ihren Lebensabend verbringt. Mit Otto ist sie seit Dezember des Vorjahres nach dem Tod ihres Mannes zusammen.

»Kommt nach dem Essen auf einen Kaffee zu uns.«, lädt uns Heidi ein.

Während wir uns den Fang des Tages – Kabeljau – schmecken lassen beobachten wir Springböcke, die am Grün des Golfplatzes grasen und an den Wasserlöchern der künstlichen Welt ihren Durst löschen. Irreal so ein Golfplatz inmitten der Wüste. Eigentlich eine vollkommen absurde Wasserverschwendung oder ein Stück heile Welt inmitten der Wüste für Farmer in Pension nach einem Leben in Trockenheit? Während ich mir die weiten grünen Flächen, umgeben von Sanddünen ansehe, verstehe ich mehr und mehr, weshalb grün die Farbe des Paradieses im Islam ist.

 

60 000 Kilometer, davon fast 25 000 in Afrika

»Schau Rüdiger. Einer der alten Reifen ist an einer Stelle bis zum Gewebe abgefahren.«, ruft mir Seppi beim Reifenhändler zu.

»Die haben viel ausgehalten. Werde ein Dankesmail an Goodyear schreiben.«, rufe ich zurück und denke mir insgeheim, »die Anpassung an den Kontinent haben wir wohl ein klein wenig übertrieben.«

 

Bei Heidi und Otto

Beim Kaffee erzählt uns Heidi aus ihrem bewegten Leben in Namibia. Geboren wurde sie auf einer Farm zwischen Tsumeb und Otjiwarongo. Sie verbrachte bis vor wenigen Jahren ihr gesamtes Leben auf Farmen. Gemeinsam mit ihrem Mann bewirtschaftete sie mehrere Farmen in Namibia, bis sie nach Swakopmund gezogen sind, um hier ihren Lebensabend zu verbringen. Heidi erzählt mit ihren von der Sonne gegerbten Armen gestikulierend ihre Geschichten. Wir hören ihr gespannt zu.

Eines Tages infizierte sich Heidi an Kuhmist durch eine Wunde am Fuß mit Wundbrand.

»Zum Glück erkannte eine katholische Schwester im Spital sofort die Infektion. Kühe sterben immer daran. Ein großes Stück Fleisch ist mir dann aus der infizierten Stelle herausgefallen.«

Zu Hennis Schlangenangst hat Heidi auch sofort eine Geschichte parat.

»Eine Farmerin geht auf die Toilette und wird von einer Zebraschlange gebissen. Sie haben der armen Frau das abgestorbene Gewebe aus der grapefruitgrossen Wunde jeden Tag mit konzentriertem Essig weggeätzt. Erst nach einem Jahr kam sie wieder aus dem Spital.«

 

CampingINFO Namibia

Camping um Swakopmund

Sophia Dale Restcamp

N$ 50.-/P. (Stand: 5/2007). Liegt 12 Kilometer vor Swakopmund knapp an der B2, nach links auf Swakopmund zufahrend (Schild) ins Restcamp abbiegen. Es befindet sich nach wenigen hundert Metern auf der rechten Seite mit gepflegten windgeschützten Plätzen, Grillstelle, Licht, Strom, Holz wird zur Verfügung gestellt, zwei sauberen Sanitäranlagen. Vorteil gegenüber Swakopmund: Kaum Nebel am Morgen. Auf Wunsch organisiert Henrik Skifahren auf Sanddünen.











Kommentare

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