Mi 31.8.2005

CONGOFAHRT TAG 5:

Pässe weg & Beschuß bei Nacht

Gegen Mittag nähern wir uns dem RDC, dem Congo-Zaïre – dort sollen wir doch gar nicht hin! Gisi fragt schnell Henri, der bereits mitten im Anlegemanöver ist, was dies zu bedeuten hat. „Nichts, die stempeln nur eure Pässe und dann geht es weiter!“ Fünf Minuten später sind welche von der RDC an Bord und sammeln Pässe und die Internationale Impfbescheinigung ein: „Die Papiere sind dann an Land abzuholen!“ – „Wir geben sie nur her, wenn sie uns wieder zurückgebracht werden. Wir haben nur ein Visa für die RC (Congo-Brazzaville) und keines für die RDC!“ – „OK!“

Nach einiger Zeit läßt man uns wieder mal ausrichten, dass wir an Land kommen sollen. „Wir gehen keinen Schritt vom Boot, den hier ist RC-Territorium und wir setzen ohne Visa keine Fuß auf die RDC!“, erklären wir einem der Schergen.

Die Stunden vergehen, wir sehen dem Treiben zu. Ein größerer Ponton als unsere beiden wird gerade beladen und Geschäfte mit Leuten von der Dauphin getätigt. Wir unterhalten uns gut mit Schwester Dorothy und erfahren, dass auch in Kamerun Leute wegen Hexerei einsitzen. Gleich zwischen 10-15 Jahren Zuchthaus setzt es dort – unglaublich! „Die schwarze Magie versetzt die Leute in Angst und macht das Leben schwer. Die meisten glauben fest daran und das ist das Problem.“ – „Welches Problem ist das schlimmste in Afrika?, wollen wir von Dorothy wissen. „Das Stammesdenken bereitet uns die größten Probleme und sorgt für einen Konflikt nach dem anderen.“ Ganz ähnlich denkt Henri, unser Kapitän.

In der Zwischenzeit hat man uns immer wieder mitteilen lassen, das wir an Land kommen sollen und wir erklären ihnen immer, dass dies illegal sei und sie deshalb schon zu uns aufs Boot kommen müssen, wenn sie etwas von uns wollen.

Irgendwann kommt dann der Typ, der die Impfbescheinigungen einsammelte und bringt sie uns nach massiven Drohungen. Die Pässe haben wir freilich noch immer nicht. Henri versucht uns die Pässe frei zu bekommen und wurde am T-Shirt gepackt, wie er uns erzählte: „Die wollen US$ 50.- wegen einem Visumstempel für die Pässe.“ – „Die müssen schon herkommen, wir rühren uns nicht vom Boot! Bitte sag ihnen dass nochmals!“ Henri richtet es aus und tatsächlich kommt einer der Immigrationsbeamten an Bord. Lange Diskussion mit Drohungen unsererseits und ein beherztes eingreifen von Henri und zwei Mann seiner Besatzung lassen den Knaben schließlich aufgeben. Zehn Minuten später haben wir unsere nicht gestempelten Pässe – na wie traurig – und die Dauphin legt ab.

Beschuß bei Nacht - Überfall?

Es ist gegen 20 Uhr 30: Wir fahren an einer wohl größeren Village der République Congo - Kongo-Brazzaville, vorbei. Vom Ufer leuchten stärkere Scheinwerfer aus dem Urwald, als sonst. Eine richtige Leuchtbatterie gibt Blinkzeichen von sich - sieht aus wie Morsezeichen.

P E N G ! zischt es knapp über unseren Köpfen (ein Schuß aus einer Kalschnikow: unter einem Meter, wie wir später erfahren)! „Hast du das gehört, das war ein Schuß“, Rüdiger aufhorchend – „Das klang doch wie ein Feuerwerkskörper.“, Gisi überzeugt.

Kurz danach ein Boot neben der Dauphin. Gisi: „Da sind welche, mach schnell zu!“ Rüdiger holt schnell das Aluröhrchen und den kleinen Feuerlöscher. Wir gehen hinter das Auto. Die Diskussion zwischen dem kleinen Boot und unserem wird immer heftiger, artet in Raserei aus. „Falls du einen Schuß hörst gehe sofort in Deckung!“, Rüdiger schon besorgt. Sekunden später: P E N G ! Kein Zweifel, dieser Schuß kam aus nächster Nähe von der Brücke. Es geht uns durch Mark und Bein! Wir hechten hinter Hidalgo in Deckung. „Die Stahlwände des Schiffes und Hidalgo bieten uns guten Schutz! “, Rüdiger absichernd. Überraschend ist, wie ruhig wir dabei bleiben. Die Diskussion lärmt, wir wissen nicht, ob es RDC – Congo-Zaïre bzw. RC – Congo-Brazzaville Banditen sind, oder vielleicht Rebellen aus der RDC. Die Dauphin kehrt um und fährt langsam am Ufer entlang. Zwanzig lange Minuten Ungewißheit. Irgendwie dauert die Diskussion für einen normalen Überfall zu lange.

Leute huschen immer wieder an uns vorbei, einer von der Crew meint: „Alles in Ordnung!“ – Aber sicher, man hat ja nur gerade in die Luft über unsere Köpfe geschossen! Wir hören eine ungute Stimme: „OÜ est le blanc?“, „wo sind die Weißen!“ Ein fetter Typ schiebt sich zu uns nach hinten und weist sich als RDC, nein RC Polizist aus. „Weiß der aus welchem Land er ist?“, denken wir uns beide besorgt – „RC, das ist gut!“, Rüdiger steinern freundlich. Man begrüßt sich und der Bulle verlangt unseren Paß. Rüdiger reicht ihm den seinen, er will noch Gisis, saust jedoch mit Rüdigers Paß davon. „Nicht schon wieder!“, denkt sich Rüdiger und hechtet nach. „Wo ist der Kommissar mit meinem Paß?“, Rüdiger zu einem der Typen ohne Uniform mit der unvermeidlichen Kalaschnikow. Einer von der Crew bedeutet Rüdiger, nur ja ruhig zu bleiben: „Ist alles in Ordnung ist alles in Ordnung, die bringen den Paß schon wieder zurück!“ Gisi hat in der Zwischenzeit ihren Paß geholt und wir gehen lieber wieder hinter Hidalgo in Deckung. Nach einigen Minuten bringt der Bulle doch tatsächlich den Paß zurück und überreicht ihn Rüdiger: „Alles in Ordnung! Jetzt den von Madamme!“ Gisi gibt den Paß nicht aus der Hand, sondern zeigt alle wichtigen Daten und beschwert sich: „Es ist nicht alles in Ordnung, wenn sie mitten in der Nacht zu schießen anfangen und sich nicht zu erkennen gebend annähern!“ Der Polizist meint beim Durchblättern: „Da fehlt der Stempel von unserem Posten, Boyellé Village, das ist doch nicht normal!“ – „Einige aus der Crew reden auf ihn ein und er vergißt zum Glück den Stempel. Wir bleiben hinten, die Wortgefechte werden in den nächsten 10 Minuten reduzierter. Kapitän Henri geht mit zwei Mann seiner Besatzung bei uns vorbei: „Das war unser Fehler, wir sind vorbeigefahren (Anm.: Vollkommen zu Recht, dieser Posten hat nur Durchsuchunsrecht, wenn ein Boot anlegt!). Das hat mit euch nichts zu tun. Sie haben uns versprochen, dass sie nicht an euch interessiert sind. Wir müssen mit dem Posten mit an Land. Sie wollen nur in euer Auto reinsehen, nehmen euch sicher nichts!“ Wir gehen vor, doch keiner will in Hidalgo reinsehen. Ein unguter Typ steht bereits im Boot der Aufgreifer, redet irgendetwas von: „Die Weißen morgen zuerst. Die sind zuerst dran!“ – Klingt nicht gut! Keine Ahnung was er genau meint?! Der Typ hechtet wieder auf die Dauphin und brüllt herum. Wir ziehen uns schnell in Hidalgo zurück und hören wie die elende Fiffiratte sich in ihren Tiraden überschlägt. „Hört der irgendwann mal auf?“ – „Die Hunde im Dorf schaffen es ja leider auch immer die Nacht durchzukötzen!“, Rüdiger entnervt. Er wird jedoch nach einiger Zeit von der Besatzung ignoriert und trollt sich auf sein Boot.

Das ganze wirkte auf uns mehr wie ein Überfall, als eine Polizeiaktion. Man gab sich nicht zu erkennen, näherte sich unbeleuchtet und keiner trug eine Uniform und dann entdeckte man – UPS – Weiße an Bord des Viehtransporters. Das gab‘s doch noch nie! Da war dann wohl Plan B angesagt: Ausweisen und das ganze als Polizeiaktion ausgeben, die haben ja vielleicht ein Sat-Telefon an Bord. Kapitän Henri Delmotte und den Finanzchef Martin Bunzonzi haben sie mitgenommen.

 





Kommentare

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