Mo 11.4. & Di 12.4.2005

Akupressurmassagen statt Überdosis

Sind heute den ganzen Tag die Route de l’Espoir entlang gefahren – rund 100 Kilometer vor AyoÜn el ´AtroÜs wird die Straße zur reinen Slalomtour. Ein Schlagloch folgt dem nächsten – schlimmer als die ärgste Piste. Biegen bei AyoÜn el ´AtroÜs ab in den Süden in Richtung der Grenze von Mali. Die Landschaft wird langsam sahelartig, und die Straße ist brandneu mit bestem Asphalt – hat sogar Begrenzungsstreifen. Die Polizei fordert – spätestens daran bemerkt man die Nähe zur Grenze – aufdringlicher Cadeaux und beißt wie immer auf Granit: „No Cadeaux pour la Police (Gendarmerie)!“ Bei der Frage nach Medizin verweisen wir immer auf Naturmedizin – wächst ja alles vor ihren Augen. Für angebliche Kopfschmerzen zeigt ihnen Rüdiger dann immer die Punkte für Akupressurmassagen, denn die roten Augen lassen auf eine Überdosis Schmerztabletten schließen.

 

Harte Bandagen für die Grenzer: Mauretanien - Mali

Steuern kurz nach Mittag Kobenni an, um die Ausreiseformalitäten zu erledigen. Bei größter Hitze sind alle ganz phlegmatisch, kalkulieren wir. Das Zollgebäude ist nicht gerade als solches erkenntlich und der Zöllner eröffnet Rüdiger gleich einmal, dass er für den Austtragungsstempel des Autos 3000.- UM, also rund neun Euro, zu bezahlen habe. „Ganz sicher nicht!“ – Nach einigem hin und her bittet Rüdiger den korrupten Beamten, ihm doch seine Carte d’Identité, seinen Personalausweis, zu zeigen und notiert sich die Daten. Rüdiger murmelt drohend: „Ich zahle jetzt gerne, melde dies jedoch ihrer Regierung in Nouakchott. Wünsche ihnen dann viel Spaß beim Erklären!“ Gisi kommt später dazu und erkundigt sich: „Gibt es Probleme?“ – „Nein, nein!“ beschwichtigt der bereits verunsicherte Zöllner!“ – „Große Probleme!“, Rüdiger zu Gisi. Der Beamte merkt, dass er sich auf Glatteis befindet und versucht langsam die Kurve zu kratzen. Plötzlich sind alle Zahlungen in seinem Büchlein ja freiwillige Spenden – teilweise 70 Euro und mehr. „Hättet ja gleich sagen müssen, dass ihr keine UM mehr habt!“ Herr Babacar macht jetzt auf ganz kameradschaftlich und wünscht uns noch eine gute Reise.

Bei der Polizei, einige Kilometer hinter Kobenni sollten wir den Ausreisestempel bekommen. Der Polizist meint erst mal, dass ja das Visum abgelaufen sei. Dummer Schmäh und Rüdiger zischt gleich mal, dass er mit solchen Tricks bei ihm nicht weiter kommt. „Fünf Euro für den Stempel!“, die nächste Ansage des korrupten Grenzbeamten. Gisi kommt dazu, als die Diskussion bereits hitzig wird und kalmiert . Wir spielen in solchen Situationen immer Guter und böser Polizist, analog den Gepflogenheiten der Polizei weltweit bei Verhören. „Wenn dies eine Zahlung für die Regierung sei, würden wir sie ja gerne leisten!“, Gisi süffisant. Die Personalien will der Polizist natürlich nicht hergeben, auch wenn er vorher großspurig meinte, dass die Regierung in Nouakchott ja weit weg sei. Um sein Gesicht zu wahren, läßt er Rüdiger niederschreiben, dass wir die Zahlung verweigern und drückt uns den Stempel in die Pässe.

 

An der Grenze zu Mali

Der nächste Gendarmerieposten ist bereits in Mali. Der Gendarm heißt uns herzlich Willkommen und notiert unsere Personalien. Die Stempel und Zollformalitäten werden erst in Nioro erledigt.

Bei der Polizei in Nioro meint der Polzist gleich wieder, dass für den Stempel zu zahlen sei. „Ganz sicher nicht, Herr Maïga von der Botschaft sagte uns ausdrücklich, dass wir keine weiteren Zahlungen neben dem Visum zu leisten haben! Ich fahre erst mal weiter zum Zoll in den Ort rein.“, Rüdiger bestimmt zum Beamten und geht wieder raus. Verdutzter Blick des Polizisten und des ebenfalls einreisenden Franzosen.

Das Zollgebäude zu finden ist auch nicht so einfach und zuerst glauben wir uns verlaufen zu haben, doch es ist tatsächlich der Zoll. Die Carte Grise, die Übersetzung unserer Fahrzeugpapiere, scheint dem Beamten ein Buch mit sieben Siegeln zu sein –gemeinsam füllen wir das Laisser Passer für Hidalgo aus und fahren wieder zur Polizei. Freundlichst werden wir vom selben Polizisten wie zuvor empfangen, plaudern nett und bekommen ohne Probleme die Einreisestempel in die Pässe gedrückt – wir sind endlich in Mali ohne Unsummen an korrupte Staatsdiener zu bezahlen, wie es sich leider auch hier eingebürgert hat. Fast alle Touristen zahlen scheinbar ohne zu Hinterfragen und Nachkommende dürfen sich dann mit den verwöhnten und immer korrupter werdenden Beamten plagen. Österreicher und Deutsche dürften immer wieder die Ausnahmen sein. Der korrupte Zollbeamte von Mauretanien meinte zu Rüdiger: „Alle zahlen brav ohne zu Fragen, die Franzosen, die Italiener, die Spanier, die Schweizer. Nur ihr Österreicher und die Deutschen machen immer Probleme!“ Na da sind wir aber glücklich Österreicher zu sein!

Heuschreckenschwärme

Die schöne Straße ist nach dem Grenzort zu Ende. Wir fühlen uns wie im tiefsten Afrika. Heuschrecken befinden sich überall in den Akazien neben der Straße. Zuerst glaubten wir seltsame Vögel an uns vorbei fliegen zu sehen, da wir noch nie so elegant fliegende, rund 8-10 Zentimeter große Heuschecken gesehen haben. Die Schwärme sind jedoch nicht allzu groß – einige zehntausend Tiere - und wahrscheinlich ein Rest der großen Plage.

Die Albtraumpiste Teil I

Die Piste wird langsam immer schlechter, ist bald mittelschweres Gelände. Tiefe Sandpassagen gefolgt von sehr steinigen Abschnitten und tiefen Spurrillen von den LKWs. Der Reifendruck ein Kompromiss: vorne 3,1 und hinten 3,5 bar. Damit geht’s mit Vollgas in der Ersten gerade noch durch den tiefen Sand, die Steine sind noch nicht zu gefährlich für die Reifenflanken und mehr Bodenabstand als mit total abgelassenen Reifen haben wir auch noch.

Sind für unser Nachtplätzchen einen Eselkarrenweg abgebogen. In der Entfernung beobachten uns einige Hirten, doch bei Dämmerung kommt niemand mehr her – genauso wenig können wir uns einem Dorf in der Dunkelheit nähern. In der Nacht hören wir immer wieder Eselkarren am Weg vorbei fahren – ist der reinste Nachtverkehr.

 






Kommentare

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