Mo 26.9.2005 – Di 4.10.2005

Visa für Angola I

Sind noch immer in Kinsahsa in der DRKongo. Heute wollen wir uns noch die Visa für Angola besorgen. Bei der Botschaft will man uns auf Mittwoch vertrösten, den nur Mittwochs kann man ein Visa beantragen. Die hatten wohl zu lange Kommunismus! Wir wollen jedoch schon mal die Formulare mitnehmen und erfahren, was wir dann so alles brauchen. Sonst dürfen wir den darauffolgenden Mittwoch in einer Woche nochmals antanzen. Schlußendlich dürfen wir dann eineinhalb Stunden auf die Formulare und die Auskunft warten. Beispielsweise beim Tschad hatten wir die Visa in dieser Zeit schon längstens in der Tasche.

Der freundliche jedoch übergenaue Beamte in Botschaft: „Ihr braucht eine Paßkopie!“ – „Haben wir!“ – „Einen Internationalen Impfausweis!“ – „Haben wir auch mit!“ - „Zwei Paßfotos!“ – „Die haben wir auch dabei!“ - „Und ein Schreiben eurer Botschaft!“ – „Wie bitte, die für uns zuständige Botschaft befindet sich in Nairobi, hier ist nur ein Honorarkonsul für Notfälle!“ – „Dann eben ein Schreiben, in dem ihr begründet, weshalb ihr durch Angola reisen wollt!“ – „Schreiben wir!“, und denken uns: „Das wird ja mühsam, sind ja durch die anderen Botschaften direkt verwöhnt worden.“

 

Visa für Angola II

Unser Visa von Angola einreichen ist das heutige Mittwochsprogramm. Warten, warten! Zweieinhalb Stunden lang. Dann werden wir auch noch unfreundlich behandelt. Toll! „Am Freitag erfahren sie, ob sie die Visa erhalten!“ Wird ja immer besser. „Es fehlt die Kopie der Impfpässe!“ – „Am Montag meinten sie, wir müssen diese nur vorweisen!“ Eine Kopie unserer Impfpässe zu machen dauert nur eine knappe Stunde, dann werden wir wieder aufgerufen. Sind schon neugierig, was sie sich bis Freitag neues einfallen lassen.

Miya – Mutter Courage der Straßenkinder

Die Amis de Karrkala, Freunde von Karrkala ist eine NGO bei der sich Miya Durwael Dammans total engagiert. Sie kümmert sich seit Jahrzehnten, um die Ärmsten der Armen – die Straßenkinder. Sie streifen wie ein Rudel räudiger Köter durch die Straßen – immer leichte Beute selektierend und versuchen so knapp wie möglich an einem vorbei zu streifen. Wehe, wenn irgendeine Hosentasche keinen Zipp hat. Ein erbärmlicher Anblick - gleichzeitig rufen sie alle Abwehrinstinkte, die in uns sitzen, auf den Plan! Wir sind hin und her gerissen zwischen Mitleid und Abscheu – ein Wechselbad der Gefühle. Wie kann es eine Gesellschaft nur zulassen, daß Kinder gezwungen werden auf solch einer Stufe zu vegetieren und sich nur durch Diebstahl und Gaunereien über Wasser halten zu können? Das sind unsere Eindrücke, wenn wir den Schakalen der Straßen von Kinshasa begegnen. Miya holt sie weg von der Straße und versucht zuerst einmal ihre Eltern auszuforschen, um sie wieder in den Familienverband zu integrieren. Meist klappt dies leider nicht. Viele Kinder sind Halb- oder Vollweisen, die von der lieben Verwandtschaft beschuldigt werden für den Tod der Eltern verantwortlich zu sein. Es zieht sich wie ein roter Faden durch Afrika: Jemand muß am Tod schuld sein! Die traumatisierten Kinder haben oft also gerade einen oder beide Elternteile verloren und werden dann auch noch auf die Straße gejagt – Autsch! Miya versucht die Kids langsam wieder in die Gesellschaft zu integrieren. Beispielsweise mit diversen Landwirtschaftsprojekten, wo die Kinder wieder einen Lebenssinn bekommen und sich vom Leid der Straße befreien können. Der Staat agiert wie meistens hier – mit Ignoranz!

 

Visa für Angola III

Heute, Freitag lassen sie uns zweieinhalb Stunden warten bis man uns mitteilt: „Wir benötigen noch eine note verbal, eine Art Empfehlungsschreiben von unserem Konsul. Zum Glück kennen wir Herrn Konsul Valentin bereits von unserem Vorfall mit der Police Nationale aus Kongo-Brazzaville. Bekommen schnell einen Termin - er schriebt das Papier – plaudern noch ein wenig – und danach ist die Botschaft natürlich geschlossen. Nächster Versuch: Montags! Ein Freund des Konsuls wartete seit Juni auf das Angolavisa, bis unser Konsul vorgestern persönlich beim Botschafter intervenierte, und es endlich ausgestellt wurde.

Flugkapitän Freddy

Am späten Nachmittag lernen wir endlich Freddy aus Salzburg, einen Freund von Andy, kennen. Er ist schon über 35 Jahre im Lande und besitzt eine eigenen Fluggesellschaft. Er liebt das Land und seine Leute und hat nie bereut nach Zaïre, so hieß die République démocratique du Congo damals noch, gegangen zu sein. Wir verstehen uns auf Anhieb und sind fasziniert von seinen Geschichten.

 

Messen in Afrika

Am Vormittag besuchen wir in der Kathedrale eine afrikanische Messe. Der Chor singt schöner als 1000 Engel! Es kribbelt uns die Gänsehaut, auch wenn wir die lateinischen Texte nicht verstehen. Dann folgt die Predigt. Der Père predigt 35 Minuten mit Gestiken, die an Mussolini, Hitler und Goebels erinnern! „Sind wir hier im falschen Film? Den großen Diktator spielen sie doch heute nicht!“, kommt es uns Kontinentaleuropäern in den Sinn. Er muß wohl Stundenlang vorm Spiegel diese selbstverliebten Gestiken einstudiert haben. Sie wirken auch heute noch auf die Menschen hier in der Kirche – Unglaublich!

Die Messe von Andy gefällt uns viel besser, da sie auf die wahre Botschaft von Jesus eingeht: Die Liebe zu den Menschen und einen verzeihenden Gott! Andy bittet Gott bei den Fürbitten, dass wir morgen endlich die Visa für Angola bekommen und um eine gesegnete weitere Reise. Die Kommunion läuft auch anders ab als sonst – jeder taucht selbst die Hostie in den Meßwein ein. Die Kirchenmusik ist erstaunlich modern du regt zum Mitsingen an – wenn wir nur endlich den richtigen Text finden würden ;-)

Das afrikanische Christentum wäre ein Modernisierungsimpuls für die verknöcherte europäische Kirche. So machen Messen ja direkt wieder Spaß!

 

Renzo - Der Filmemacher

Ein Filmemacher aus Holland setzt sich heute morgen zu uns. Renzo Martens dreht keine leichte Kost und so werden seine Filme leider nur in Museen gezeigt – zu schwer für´s Fernsehen, selbst für arte. Dabei zeigen sie die Realität! Sein neuester Film handelt von den Gewinnern und Verlierern des Systems im Kongo-Zaïre. Er ist seit über eineinhalb Jahre mit Unterbrechungen im Kongo und prangert die diversen Firmen unserer sogenannten 1. Welt an: „Wenn es sich nicht um afrikanische Despoten und deren Greueltaten handelt, dann interessiert es in Europa keinen. Die Verursacher des Elends will niemand kennen, dabei sind die Konzerne vor unserer Haustüre! Interessant sind nur arme Straßenkinder, Elendsviertel, Hunger – damit läßt sich für die diveren NGOs Geld machen! Man braucht ja auch einen funkelnagelneuen Toyota Pickup, um durch Kinshasa zu paradieren. Dabei hat Afrika auch so viel schönes zu bieten – darüber berichtet auch keiner. Speziell der Kongo wäre das reinste Paradies. Es wächst hier alles – 3 Ernten pro Jahr - von den Ressourcen ganz zu schweigen, die gnadenlos von amerikanischen, europäischen und asiatischen Firmen ausgebeutet werden (Anm.: erinnert euch an das 15 – 15 – 70%-System!). Die geistigen Kapazitäten sind hier im Kongo auch vorhanden, einzig mit Geld können die meisten nicht umgehen, und sobald man am Trog sitzt wird in die eigene Tasche gerafft!“ – Wie wahr!

Visa für Angola IV

Heute Montag geht das lustige Visawartespielchen weiter. Nach Stunden teilt uns der Botschaftsangestellte mit: „Ihr bekommt nur ein Transitvisa für 5 Tage!“ – „Pardon! Wie sollen wir bitte bei den miserablen Straßen in 5 Tagen über 2500 Kilometer bewältigen?“, meint Rüdiger mit Nachdruck und zeigt dem Knaben die Strecke auf der Michelinkarte. – „Warten sie bitte, ich trage dies dem Botschafter wieder vor. Die Pässe bitte!“ Die sind freilich beim Eingang abgegeben worden und jetzt dämmert es uns: Die haben bisher dem Botschafter noch nie etwas vorgelegt, denn dafür benötigen sie die Pässe. Wollen uns wohl für Schmiergeldzahlungen weichkochen. Unser Konsul hat so etwas ja angedeutet. Nach insgesamt dreieinhalb Stunden Wartezeit haben wir heute endlich die Visa für einen Monat in den Pässen – Puh! Schwere Geburt! Vorteilhaft, dass unser Konsul erst vor Kurzem intervenieren musste und sich mit dem Botschafter gut verstand. Andere lies man total auflaufen – es gab partout kein Visa für Angola.

Baby – ein christlicher Inder in Kinshasa

Wir haben gestern Sonntrag bei der Messe auch eine indische Familie aus Südindien kennen gelernt. „Kommt jederzeit bei uns in der Bank vorbei, wir wohnen gleich über den Büroräumen!“ – na dann schauen wir doch glatt bei Babys Familie vorbei. Tatsächlich, obwohl Baby der Finanzdirektor der Bank ist macht er sich eine Stunde für uns frei. Wir plaudern mit ihm und seiner entzückenden Frau in der gemütlichen Wohnung am Boulevard de 30 juin. Seine Frau hat jedoch Schwierigkeiten ohne Job in der Stadt zu leben. In Indien war sie mit Begeisterung Lehrerin. Man bleibt hier eher unter sich – sprich unter Indern. Freunde und Familie aus Indien gehen nach einigen Jahren ebenfalls sehr ab.

 

Belgischer Pater mit sizilianischen Wurzeln

Pater Modica Carmelo gesellt sich heute Dienstag bei unserem Frühstück zu uns. Er ist jedes Jahr einige Monate in Togo, Benin und auch im Kongo, da er möchte, dass seine Spendengelder auch wirklich beim Empfänger ankommen und nicht in Gehältern, Administration und Autos angelegt werden. Bravo! Auf seiner Visitenkarte steht unter seinem Namen: „Jésus-Christ est la response“ – Jesus Christus ist die Antwort: „Ich bin sehr liberal anderen Glaubensrichtungen gegenüber!“ – Stimmt bis zu einem gewissen Grad, doch nur Jesus hat eben die einzig richtigen Antworten. Wir diskutieren jedoch gerne mit ihm, da er eine so angenehme und erfrischende Art hat - schließlich sind wir auch liberal. Er interessiert sich sehr für unsere Reise, da er auch einmal von Nordafrika nach Südafrika mit einem 4x4-Gefährt reisen möchte. Wie wir bis in den Kongo ohne Geländewagen gekommen sind, ist ihm ein Rätsel. Rüdiger süffisant: „Wir sind jedoch allen Unkenrufen zum Trotz bereits im Kongo – wenn man will schafft man einfach alles!“ – „Stimmt!“ Dann plaudern wir über die diversen kulinarischen Köstlichkeiten, die wir probiert haben. Rüdigers neue Liebelingsknabberei sind Raupen - besonders die kleinen schmecken köstlich mit den ungerösteten Erdnüssen. „Kennt ihr auch schon Termiten?“ – „Nein!“, meinen wir aus einem Munde. „Die schmecken besonders gut, die müsst ihr unbedingt probieren!“

 

Mirjam & Freddy der Pilot

Freddy, der Pilot aus Salzburg zeigt uns in der Nähe des Flughafens einLokal für echte afrikanische Piloten – Billardtisch, Dart und Tischfußball lockern angenehm auf. Seine attraktive Frau Mirjam lebt seit ihrem zweiten Lebensmonat im Kongo-Zaïre und arbeitet bei der spanischen Botschaft. „Wir beiden haben ein gemeinsames Kind und ich eines von einem Probeflug!“, Freddy immer zu Scherzen aufgelegt. Er liebt sein Leben hier im Kongo, er hat seinen Kindern jedoch empfohlen, sich woanders eine Zukunft aufzubauen: „Seit ich hier bin geht es immer stetig in eine Richtung – abwärts!“ Wir haben mit den beiden, seinem Crew- und dem Technikchef eine Mordsgaudi. Er neckt die beiden gerne: „Das sind unsere beiden Kannibalen...“ Wir schlemmen köstlich und spülen die trockenen Kehlen mit reichlich Bier. Prost! Mit dem Flug über den Dschungel klappt es leider nicht, da die Maschinen zu Freddys Glück meist ausgebucht sind. Seine Fluggesellschaft gehört hier zu den zuverlässigsten – teilweise wartet man auch eine Woche bei anderen auf seinen Abfug, wie uns Andi erzählte.

 

 






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