Mo 31.10.2005

Besuch aus Südafrika

Wir sind gerade am Losfahren, als ein Pickup mit Arnold und Rico aus Südafrika bei uns vorbeischaut.

»Hi guys, you look lost – far from home!«, begrüßt uns Rico Sakko, der Abenteuersafaris in Angola organisiert.

Arnold Slabber ist der einzige Schuhmacher in Wellington in der Nähe von Stellenbosch, der berühmten Weinregion: »Ihr müsst unbedingt auch nach Südafrika kommen – es ist traumhaft schön bei uns!«

Wir plaudern über Angola und daß in Europa kaum jemand weiß, wie traumhaft schön diese Land ist – wenn man von dem ›Zustand‹ Namens Straße beziehungsweise Piste einmal absieht.

»Eßt ihr gerne Fisch?«, fragt uns Rico.

»Ja sicher.«

Rico holt eine Riesenfisch vom Pickup und schenkt ihn uns.

»Whow, danke!« Das wird ein Festmahl!

»Zahlt es sich aus das Reserva de Namibe zu besuchen?,« will Rüdiger von Rico wissen. »Auf jeden Fall, doch mit eurem Bus schafft ihr das niemals!«

Reserva de Namibe - die Wunderpflanze

Niemals existiert für uns nicht! Im Gegenteil, damit hat uns Rico nur angestachelt. Wir fahren weiter ins Reserva de Namibe und sind erstaunt über die perfekte neue Piste. Wieso meinte Rico dann, daß wir nicht dorthin fahren können? Angst um seinen ›Geheimtipp‹? Plötzlich sehen wir neben der Straße die Welwitscha Mirabilis-Pflanzen – einmalig! Die Pflanze gehört zu den berühmtesten der Welt und ist ein Relikt der Urzeit. Die zweihäusige Pflanze lebt mitten in der Wüste, findet mit der spärlichen Luftfeuchtigkeit ihr Auslangen und gehört zu den langlebigsten Organismen der Erde – bis über 2000 Jahre! Ansonsten ist die Gegend eine unheimlich weite Geröllwüste.

Gisis Wahnsinnisidee

»Was war die schlimmste Strecke auf der Reise?«, will Gisi von Rüdiger wissen.

»Die Bombentrichterstraße vor Lubango. Übertraf sogar den Lac Tchad

Gisi wenig später: »Wir könnten doch direkt via Moimba, Oncócua und Chitato nach Ruacana in Namibia fahren.«

»Das ist teilweise reines 4x4-Gelände!«

»Das hat man uns beim Lac Tchad auch gesagt – wäre doch ein richtiges Abenteuer.«

»Wahrlich ein echtes Abenteuer! Warum eigentlich nicht, die Flußquerungen werden jedoch ein gewaltiges Stück Arbeit werden.«

Rüdiger hat sich die Option auch schon gestern auf der Michelin- und der 1:1 000 000 ONC-Karte angesehen und denkt sich insgeheim: »Na hoffentlich ist das eine gute Idee.« und zu Gisi, »wenn‘s dem Esel zu gut geht, dann geht er aufs Eis tanzen.«

Schwieriger Fall

Kurz vor Virei geht die Geröllwüste in Halbwüste über. Plötzlich ein Kreisverkehr um ein paar Felsen herum – nichts zweigt ab. Scherze der Straßenbauer!

In Virei fragen wir nach dem Weg nach Moimba. Bald stehen auch einige Mukobale-Frauen neben Hidalgo, die ihre Brust mit einer Schnur gegen den Körper gebunden haben. Dann sollen wir einem Herrn mit MPLA T-Shirt unseren Namen und Nationalität aufschreiben. Soso - machen wir doch gerne! Es gesellt sich noch ein Polizist und zwei weitere sehr wichtige Typen dazu, die unsere Pässe sehen wollen. Der MPLA-Regierungsparteimann vergleicht unsere Daten mit den von Rüdiger niedergeschriebenen. Sie finden ihr eigenes Visa nicht - sind wohl noch nicht viele Ausländer vorbei gekommen. Nach einigen Minuten fragen sie verschämt ob wir ihnen das Angolavisa zeigen könnten – ist orange und kaum zu übersehen. Nachdem sie ihren schwierigen Fall abgeschlossen haben wünschen sie uns noch eine schöne Reise.

Rein in den Busch

Wir fahren die kleine Buschpiste weiter und sehen gleich hinter dem Dorf die nächsten Mukobale. Ebenso sehen wir einige Himba - das Nomadenvolk, dass stolz der Moderne, die ihre Kultur und Werte zerstören würde, trotzt – einer mit knallroten Augen, wohl zuviel Schmerztabletten? Sogar Pater Viktor aus Lubango meinte: »Die Himba soll man in Ruhe lassen! Sie haben die auch nicht unberechtigte Angst, dass das Christentum ihre reiche und einzigartige Kultur zerstören würde.«

Wir haben sie vor drei Jahren im Kaokovelt besucht, als wir uns über den schwierigen Van Zyls Paß geplagt haben. Bei einer Flußquerung sind wir hängen geblieben. Die Himba haben uns stundenlang geholfen, bis wir wieder frei kamen. Ein tolles, sehr stolzes und wohlhabendes Nomadenvolk, dessen Kultur durch den aushöhlenden Massentourismus leider immer weiter erodiert wird.

Anfang der 70er Jahre gab es noch zuhauf von unserer Zivilisation unberührte Kulturen – heute noch ein paar Hand voll. Obwohl es  nicht immer heißen soll, dass traditionelle Kulturen bewahren der Weisheit letzer Schluß ist. Vielen Völkern wurde durch die diversen missionierenden Religionen ein neues, wesentlich weniger Angst einflößendes Weltbild gegeben. Wir haben im zentralafrikanischen Raum selbst erfahren, wie schlimm alte Glaubenssysteme wüten können – Hexerei mit Menschen töten und einsperren sei hier genannt.

»Da beim Felsen haben wir ein schönes Plätzchen.«, Rüdiger erfreut.

»Fahren wir doch noch weiter!«

»Gleich geht die Sonne unter. Das ist das erste nette Plätzchen seit Virei.«

»Wir könnten doch noch ein wenig weiterfahren.«, Gisi fordernd.

»Bin aber schon müde und ich will nicht mehr weiter!«

Suchen als erstes Feuerholz um unseren Fisch zu grillen.

»Das wird lecker«, Rüdiger frohlockend.

Eine halbe Stunde später wird der Fisch von Rico langsam gegrillt. Er riecht köstlich und schmeckt auch ausgesprochen gut.

 












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