Mo 5.9.2005

CONGOFAHRT TAG 9:

Am Morgen legt eine Piroge mit einem laut protestierenden Schwein an. Es ist in Asterix & Obelix-Manier mit den Beinen auf einen Stecken festgebunden worden – zum besseren Transport, wie man uns erklärt. Autsch! Echte Tierfreunde!

 

Kupplung defekt

 

Bei einem der Schiffsdiesel ist die Kupplungsscheibe defekt, wir müssen bei einer kleinen Village, die man vergeblich auf jeder Karte sucht, zukehren - Djoundou im Herzen des Congo. Das Dorf ist schön angelegt, Kakteen bilden die Zäune und die meisten Häuser haben Blumen und Gemüse um das Haus angepflanzt. Die Kongolesen verstehen es sich das Leben angenehm zu gestalten.

 

Boa - Schlange zum Mittagessen

 

Am Markt kaufen wir Zucker und da, wie fast immer, kein Wechelgeld vorhanden ist bekommen wir die letzen 80 Zentimter einer Schlange, genauer gesagt einer Boa. Hmmm? Rüdiger bekommt einen leichten Tritt von Dorothy, damit wir nicht ablehnen, die Frau beleidigen und das Dorf gegen uns aufbringen. Autsch!

 

Schlendern mit Dorothy durch das ganze Dorf, sehen Frauen beim Zubereiten von Maniok zu, plaudern ein wenig mit einer Gruppe unter einem Baum. Eine Frau zerlegt gerade einen urzeitlich anmutenden Fisch mit Panzerung vom Kopf bis zum halben Rückgrat. Streß hat hier keiner und man lebt mit dem was die großzügige Natur zu bieten hat. Papaya wächst wie Unkraut und wird deshalb erst auch gar nicht am Markt feilgeboten.

 

Die Boa muß zubereitet werden. Greift sich angenehm an, schade, das sie das Zeitliche segnen mußte – lebendig machen können wir sie leider nicht mehr. Einer der Händler, Jean-Pierre, mit dem obligaten Phantom der Oper T-Shirt, zeigt Rüdiger mit geübtem Handgriff, wie man die Schlange richtig ausweidet: Alle 10 Zentimeter einschneiden und dann die Eingeweide herausziehen. Die Leber und das Fett werden aufgehoben, besonders das Fett hat mythische Heilkraft. Die Schlange wird in kochendem Wasser ein wenig geköchelt, dann kann man die Haut leichter wegsäbeln – Gerücht! Während die Schlange in heißem Fett herausgebraten wird, grillt Dorothy Plantain, die köstlichen Kochbananen als Beilage. Die Boa schmeckt ausgezeichnet, vor allem nach Hühnchen mit ein wenig Krokodil durchzogen. Kroko schmeckt übrigens meist wie eine Mischung aus Huhn und Schrimps.

 

Ubangui mündet in Congo

 

Gegen Mittag kommen wir an den Zusammenfluss von Ubangui und Congo. Schlagartig befinden wir uns auf einem großen Strom mit unzähligen Nebenarmen – der sagenhafte Congo, die Lebensader von Zentralafrika. Noch mehr Pirogen umkreisen wie Hummeln unser Boot. Immer größere Mengen an Dörrfisch, Bananen, Ziegen und Schweinen kommen an Bord unserer großen Village – ein afrikanischer Mikrokosmos.

„Wer sich halbwegs auskennt kann im Congo leicht Geld machen!“, erklärt uns Jean-Pierre der Händler der immer mit einem Phantom der Oper T-Shirt herumläuft. „Den Korb für die Fische, den ich um 500 CFA eingekauft habe, den kann ich um 20 000 CFA in Brazza verkaufen. Bananenstauden kaufe ich um 500 CFA ein und verkaufe sie um 5000 CFA! So leicht ist das hier im Congo!“ Legen am Abend wieder an, da es morgen die angeblich vorletzte Kontrolle gibt.

 

Ausgeräuchert

 

Elise, die Frau von Kapitän Henri kauft auch permanent ein. Heute hat sie frischen urzeitlichen Panzerfisch gekauft den sie in einer Tonne neben uns räuchert. Rüdiger hat ihr mit der Machete den Fisch getötet. Noch einmal zusehen, wie einem lebenden Fisch zuerst die Flossen abgeschnitten werden und man ihn erst dann tötet wollte er nicht. Unter Tags ist die Räucherei nur ein lästiges Problem, doch am Abend können wir nicht in Hidalgo rein ohne uns eine Rauchgasvergiftung zuzuziehen und Kohlenmonoxid ist auch nicht gerade der Gesundheit förderlich. Erst nach einigem Hin und Her sieht Elise ein, daß sie uns mit ihrer Räucherei um die Ecke bringen kann.

 












Kommentare

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