Sa 16.7.2005

Ankunft in N’Djamena

Am späten Nachmittag kommen wir nach N’Djamena, in die Hauptstadt des Tschad. Die Militärs nehmen zu und versuchen uns beiseite zu winken – alleine wir reagieren nicht. Triller! - der Militär verschluckt doch fast sein Pfeifchen - haben ihn einfach nicht gesehen und gehört, der meint doch sicher einen anderen. Fahren ins Zentrum und finden fast auf Anhieb das Novotel-Hotel.

Gratis campen im Novotel

Wir fragen, ob wir in Hidalgo übernachten dürfen und werden an die Security verwiesen, die uns gratis in der Zone Technique campen läßt. Toll! Sind auch echt beeindruckt von unserer Lac Chad-Umfahrung ohne 4x4. Amadan führt uns im Hotel herum, zeigt uns die sauberen Sanitäranlagen und vorerst dürfen wir sogar den Pool benützen. Rüdiger hat zwei deutsche Architekten, Björn und Alexander kennen gelernt, die rund eineinhalb Jahre im Land sind.

Björn und Alexander

Björn arbeitet im Süden und Alexander im Nordosten des Landes – beide in losem Verbund mit dem DED, dem Deutschen Entwicklungs Dienst. Die beiden haben viele Geschichten auf Lager, einer der beiden wurde leider auch bereits Opfer eines tätlichen Angriffs seitens der Sicherheitskräfte vor dem Präsidentenpalast – dort mit dem Auto stehen zu bleiben kann mit Gewehrkolbenhieben enden.

Zum Glück hat sich die Lage seit rund einem Jahr gebessert. Besonders die Straßenposten sind großteils abgeschafft worden, wie wir auch bereits positiv bemerkt haben. Selbst die restlichen sind uns gegenüber nicht korrupt gewesen. Nach ein paar Minuten plaudern haben sie uns immer mit freundlichen Worten weiterfahren lassen.

DED im Tschad

Björn und Alexander laden uns ein, den Abend mit ihnen und ein paar Freunden vom DED und anderen NGOs zu verbringen. „Die Villa vom Samariterbund hat zwei Dachterassen übereinander, echt toll!“, schwärmen die beiden.

Wir lernen Renata, die Koordinatorin von DED-Projekten im Tschad ist und ihren Freund Peter, der auch Architekt ist, kennen und ein paar andere.

Renata war vorher im Sudan tätig und arbeitet nun bereits seit drei Jahren im Tschad: „Der Tschad ist wesentlich schwieriger, als ich es mir im Sudan vorgestellt habe!“ Wir erfahren, dass die Bevölkerung trotz Ölreichtum – die Amis und Kanadier wissen seit 10 Jahren über die Ölreserven Bescheid - weiterhin leiden muss. Es fließen nur 10% ins Land, davon 5% in die Region und 5% ins Budget – eigentlich versickert leider auch auch ein Großteil der kläglichen restlichen 10% in dunklen Kanälen. Wohin die restlichen 90% fließen können wir nur mutmaßen. Einen Großteil bekommen sicher, wie immer, die ausländischen Firmen und wer wohl den Rest? Die Verbesserungsmaßnahmen im Land sind ein geschickter kosmetischer Schachzug von Präsident Idris Deby und irgendwie könnten sich vielleicht sogar andere Dinge im Tschad bessern. Beispielsweise, wenn man draufkommt, dass man Euromilliarden nicht mit in Grab nehmen kann und ein Platz in der Geschichte als Friedensbringer, Vereiniger und Verbesserer des Landes – so die Slogans des Beglückers - doch eine erstrebenswerte Sache ist. Die Menschen des Tschad würden noch in 100 Jahren Loblieder auf solch einen Präsidenten singen. Tatsache ist jedoch: Nicht alle sind für den Präsidenten, der aus einer Ethnie im Nordosten an der Sudangrenze stammt. Manche lassen sich eben nicht so einfach einlullen und halten ihm auch vor, dass er auch seine Finger im Dafurkonflikt haben solle.

Das Ganze ist noch wesentlich komplexer, doch wir wollen heute nicht mehr weiter in die Tiefe vordringen. Tatsache ist, der Tschad ist leichter zu bereisen als noch vor wenigen Monaten und die Korruption vorerst auf der untersten Ebene abgeschafft – besser als gar nichts.

Wir haben uns im Land sehr wohl gefühlt und bis heute keine einzige negative Erfahrung im Umgang mit dem Staatsapparat gehabt. Vielleicht sind dies wirklich Vorzeichen einer besseren Zukunft. Die Situation kann sich jedoch schlagartig ändern, wenn man bedenkt, dass der Präsident an einem Herzleiden laboriert . Wenn er handlungsunfähig wird, kann die Situation im Tschad schnell wieder ins Negative kippen. Wie instabil die Situation ist zeigte der Putschversuch im Mai 2004, kurz vor dem Referendum bezüglich der Möglichkeit, das Idris Deby eine dritte Amtszeit tätigen kann. Man munkelt, dass jemand aus der Familie mit Koffern voller Dollar aus dem Lande gehen musste.

Wir erfahren von Renata dass hier ausnahmsweise mal nicht die Chinesen vorherrschend sind, sondern die Taiwanesen – die Chinesen sind beleidigt abgezogen. So testet Taiwan munter den Anbau von Genmais im Tschad – zu Hause kann man das der eigenen Bevölkerung ja keinesfalls zumuten.

„Die Entwicklungsarbeit ist nicht so einfach!“, meint Renata, „ da die Leute durch die vielen Jahre des Chaos nicht gewohnt sind selbst zu organisieren. Das meiste Gemüse kommt aus Kamerun, dabei ist die Gegend um den Lac Tchad extrem fruchtbar.“ Dies ist uns auch schon aufgefallen, wir bekamen nur Zwiebeln und Zitronen um den See herum. Renata weiter: „Aufgaben die der Staat normalerweise erledigt werden hier von NGOs übernommen und dadurch entstehen Abhängigkeiten.“ Wir sinnieren: „Die Lösung wäre, wie in allen Staaten mit Bodenschätzen einfach: 50:50% teilen zwischen ausbeutenden Unternehmen und dem Staat ohne in dunklen Kanälen zu versickern. Dadurch könnte man sich locker die teuersten ausländischen Experten für den Aufbau des Erziehungswesens, den Ausbau der Infrastruktur und aller sonstigen notwendigen Maßnahmen leisten. Bestes Beispiel ist nach wie vor Namibia mit seinem Diamantendeal mit De Beers.

 

 




Kommentare

Anzeige: 16 - 20 von 21.
 

levitra company levitra company aus I9zbWKgbbfw

Freitag, 24-10-14 08:08

Thanks for the great info dog I owe you biggity.

 

mydrugsonline.net mydrugsonline.net aus hTYmWqfej

Dienstag, 18-03-14 06:01

Great hammer of Thor, that is powerfully helpful!

 

small business insurance small business insurance aus AAylbBLUG

Montag, 20-01-14 02:43

Thanks for the insight. It brings light into the dark!

 

Sudhan Sudhan aus pgw2TaOQL2

Samstag, 04-01-14 01:01

Heck of a job there, it abuotslely helps me out.

 

Gisi und Rüdiger aus Kins

Sonntag, 02-10-05 18:10

hi margit,

NGO steht für Non Governmental Organisation, auf deutsch nicht staatliche organisation. beispielsweise menschen für menschen oder die caritas sind solche NGOs. us-aid ist eine governmental organisation und vertritt interessen der us-regierung. auf französisch ist die NGO eine ONG!

lg gisi und rüdiger

 
 

Kommentar abgeben

Ins Gästebuch eintragen
CAPTCHA-Bild zum Spam-Schutz