So 20.2.2005

Hami der Hirte

Stille, absolute Stille in der Nacht, nur ab und zu bellt einer der Hunde der Beduinen. Am Morgen zog eine Schafherde in Sichtabstand vorbei. Wir bemerkten die neugierigen Blicke des Hirten und winkten ihm zu. Einige Zeit später befand sich die Herde nur noch 150 Meter von uns entfernt. Rüdiger winkte erneut. Der Schäfer trieb seine Herde ein wenig näher. Rüdiger winkte und machte mit Handzeichen eine Einladung zum Kaffee trinken. Er näherte sich, die letzen 20 m ging Rüdiger entgegen. Nach der Begrüßung kam er erst nach einer weiteren Aufforderung näher zu kommen, zu uns auf einen Kaffee – nachher lief Hami zur verstreuten Herde. Die vorsichtige Annäherung ist bei vielen Nomadenvölker ähnlich.

Donnez-moi l'argent

Eine angenehme Art des Näherkommens im Gegensatz zu manchen aufdringlichen, von Touristen verdorbenen Kindern oder Erwachsenen. „Donnez moi l’argent!“, „Gib mir Geld!“ ist Rüdigers Lieblingphrase , knapp gefolgt von: „Donnez moi un stylo!“, „Gib mir einen Kugelscheiber!“, da Touristen die großen Verteiler spielen. Die Kinder reagieren deshalb wie der Pawlov’sche Hund reflexartig auf jeden Reisenden, den sie erblicken. Das Schauspiel ist in unseren Augen zutiefst entwürdigend. In den meisten afrikanischen Gesellschaften, man verzeihe uns die Vereinfachung, ist jedes Geben mit Nehmen verbunden. Touristen werden als Geschenke-Verteiler angesehen und nicht als Menschen aus Fleisch und Blut.

Bei den Beduinen

Mohamed, Hssain und Klein-Mohamed gesellten sich beim Frühstück zu uns. Mohammed, der ein sehr offener, lockerer und gut aussehender Bursche ist, hat sich in Francoise, eine Französin, die 50 Kilometer südlich von Paris lebt, verliebt. In naher Zukunft, so Allah will, wird er nach Frankreich ziehen. In der Gegend gibt es einen großen Reichtum an Fossilien. Mohamed und Hssan haben Ammoniten, Trillobiten und diverse andere Versteinerungen, die sie zum Verkauf anbieten, gesammelt. Wir kauften uns einen besonders schön kristallin versteinerten, rund 520 Millionen Jahre alten Trillobiten zur Erinnerung und auch als Dankeschön für die Soforthilfe bei der Panne, die Gastfreundschaft und den vielen guten Tee.

Kasbah

Bei der Weiterfahrt, heute war ein verflixter Tag, wurden wir bei jeder Fotopause von Donnez-moi-Kindern belästigt. Festungsartige Häuser stachen uns ins Auge. Rüdiger machte sich auf zum Fotografieren, sofort umringt von einer Horde Kinder. Ein Junge fragte Rüdiger ob er sich die Kasbah ansehen möchte. Noch entnervt von den Donnez-moi’s reagierte Rüdiger ablehnend. Der Bub, dessen Eltern einer dieser Bauten gehörte und ihn auch noch zum Essen eingeladen hatte, trollte sich mit traurigem Blick. Er da begriff Rüdiger, dass er seinen Frust an einem völlig unschuldigen und gastfreundlichen Jungen abgelassen hatte. Zu den anderen Kids war er dann wieder charmant, tauschte Adressen aus und plauderte noch ein wenig. „Wir hätte diese Bauten sogar von innen sehen können.“, meinte Rüdiger resigniert. – „Weshalb sind wir dann nicht rein gegangen?“ – „War noch zu entnervt von den Stopps zuvor und war sehr ungerecht zu dem Buben.“ Es ist leider nicht einfach die Spreu vom Weizen zu trennen.

 








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