So 28.8.2005 – Mo 29.8.2005

CONGOFAHRT TAG 2 & 3:

Die Tücken des Ubangi

Heute haben wir einen von drei schwierigen Flußabschnitten auf der Reise zu bewältigen. Der Steuermann ist kurz unaufmerksam, Henri korrigiert gerade noch im letzen Moment. RATSCH – RATSCH – RATSCH - gut 1000 Tonnen schwimmende Last berühren drei Mal den felsigen Grund. Henri steuert die Dauphin hart Backbord mit den beiden Pontons – langsam, nur langsam dreht sich der Verband in die Strömung und wir scheren am Ufer entlang. Mit Machten wird der Urwald zurückgedrängt. Der kleinere Ponton wird vorläufig am Ufer zurückgelassen. Wir steuern durch den gefährlichen Abschnitt – ohne Flußkarten, GPS, Sonar oder sonstige technische Hilfsmittel. Henri verläßt sich auf sein Gedächtnis, liest den Fluß und benutzt seine Intuition – einfach genial!

Die Grenze der RCA, République Centafricaine - Ausreise

Wir werden beim Grenzposten geparkt, danach macht sich die Dauphin auf den Weg, um den zurückgelassenen Ponton zu holen.

Wir stehen auf dem Standpunkt, dass wir die Grenzformalitäten mit der Abfahrt in Bangui erledigt haben – bleiben also vor Hidalgo sitzen. Das sieht die Grenzgendarmerie anders. Nach zwei Stunden kommen sie und wollen wie immer Geld für den Stempel. Wir weigern uns wieder zu zahlen – drohen, schüchtern ein und erzählen, das bisher die Gendarmerie die einzig korrekten in der RCA waren. Stimmt sogar. Nach einer halben Stunde bekommen wir den Paß mit dem Ausreisestempel wieder: „Ist gratis, da ihr Touristen seid!“ Wir sind gerührt und geben ihm Geld für zwei Bier.

Zwei Stunden vergehen, dann tanzt auch jemand vom Zoll bei uns an. Ob wir ein Passavant, die temporäre Einfuhrgenehmigung haben, will der Kerl wissen. „Natürlich! Und wir zahlen sicher nichts für einen Stempel, brauchen es ja nicht mehr!“ Er trollt sich und kommt nach einer halben Stunde mit seinem Vorgesetzen zurück: „Das Visa kostet aber 5000 CFA!“ – „Das ist erstens ein Stempel und kein Visa und zweitens kostet er sicher nichts!“ – „Jeder muß bezahlen!“ – „Wir aber nicht, höchstens mit Beleg und den senden wir dann mit einer Beschwerde an unseren Konsul, Herrn DI Weinstabel in Bangui. Der wird das dann an ihre Vorgesetzten weiterleiten.“ Sie nehmen den Pasavant mit. Sollen sie doch damit ihr Büro tapezieren. Wir hören auch den ganzen Abend nichts mehr von ihnen.

 

Der Zoll gibt auf

Tumult und Geschrei ab 7 Uhr am Morgen. Irgendwann klopft jemand an die Tür. Zunächst überhören wir es geflissentlich. Es wird heftiger, Rüdiger schaut einmal raus. Der Typ vom Douane, dem Zoll, wedelt mit dem Passavant. Rüdiger zieht sich betont langsam an und geht raus. „Das macht jetzt aber 5000 CFA!“ Der hat wohl gestern nicht ganz zugehört: „Wir zahlen aber sicher nichts für den Wisch!“ Rüdiger zeigt ihm die Visitenkarte vom Konsul und erklärt ihm, dass er wirklich Probleme bekommen wird, da seine Regierung solche Dinge nicht mehr duldet. „Ihr seid aber keine Diplomaten!“ – „Schlaues Kerlchen.“, denkt sich Rüdiger und erwidert schroff: „Dafür habe ich was nettes zum Lesen!“ Er zeigt ihm unser Empfehlungsschreiben. Der nette Herr vom Zoll gibt auf und zieht von dannen. Das wir nichts bezahlen hat sich herumgesprochen. Die Militärs, Forstpolizisten und diverse andere lassen uns unbehelligt.

Kapitän Henri wehrt kurz vor der Abfahrt einen Militär mit hübschen roten Kapperl ab, der noch mal kontrollieren, besser gesagt natürlich kassieren will. Es reicht! Alle sind bereits reichlich genervt und froh als es endlich losgeht. Eine Frau sitzt in unserer Nähe und ist dem Heulen nahe...

Aufruhr und Schlägerei

Der Clanführer aus dem Tschad, ein hellhäutiger Nomade eilt an uns vorbei zum Kapitän. Einige Minuten später ist die Hölle los. Er versucht Kapitän Henri Dellmotte zu zwingen mit beiden Ponton durch eine schmale Fahrrinne zu navigieren. Henri ist jedoch der Kapitän und für die Sicherheit verantwortlich. Einer Mossi aus Burkina, der mit den Hirten aus dem Tschad reist mischt sich in die Diskussion ein, es wird laut. Henri macht vom großen Ponton los, fährt zum anderen rüber um anzudocken. Der Mossi sabotiert das Manöver und beinahhe wäre damit der zweite Ponton davon getrieben. Anicet stellt ihn zur Rede, daraufhin springt ihn der drahtige Mossi wie ein wild gewordener Löwe an. Die Schlägerei ist kurz und heftig, der Mossi entwaffnet. Einige Tschadnomaden greifen mit Knüppeln die Crew an – das reinste Tollhaus. Auf beiden Seiten sind jedoch schnell die Schlichter zur Stelle und das ganze geht in ein wüstes Wortgefecht über. Am Ende wird der Mossi eingesperrt und soll morgen der Polizei im Congo-Brazzaville an der Grenze übergeben werden. Bei diesem Abschnitt des Flusses hätte sein Sabotageakt für Mensch, Vieh und Schiff böse ins Auge gehen können. Der Mikrokosmos auf dem Schiff zeigt uns wie Konflikte in Afrika von statten gehen können. Hoffen jedoch, dass er morgen wieder frei gelassen wird, wenn sich alle beruhigt haben. Die Polizei springt ja nicht gerade nett mit den Leuten um.

Dorothy, aus Kamerun stammend ist eine Schwester der katholischen Kinder Christi in Benin und reist um einen Bischof im Tschad und in Brazzaville zu besuchen. Sie hat genauso wie wir über wie Wochen auf die Abfahrt gewartet.

Heute Abend haben wir freie Filmwahl auf dem DVD-Winzling, da wir die Akus aufgeladen haben. Ein Thriller mit Kim Basinger ist unsere Wahl, besser als die unzähligen B-Movies, in denen die ganze Zeit nur geprügelt wird. Das Ende kennen wir noch nicht, da der Akku gerade mal 90 Minuten durchhält.

 




Kommentare

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