So 31.7.2005

Die Strecke wird Richtung Grenze immer übler, doch inzwischen ist balancieren auf zwei dünnen Streifchen Laterit – der Rest weggespült – auch bei 60 bis 70 Kilometer pro Stunde kein Problem mehr. Darunter rüttelt uns das Wellblech übelst durch. Permanentes Wellblech kombiniert mit tiefen mit Wasser gefüllten Schlaglöchern machen das Fahren zur Konzentrationsübung. Bei besonders tiefen Löchern Notbremsung und darüber; ansonsten im Slalom daneben vorbei oder in die Mitte genommen. Ab und zu: Krach - manchmal verschätzt sich Rüdiger eben auch. Ansonsten wäre die Strecke jedoch nur im Schrittempo befahrbar und dann wären wir erst übermorgen an der Grenze.

Die Ausreise aus Kamerun

Die Sicherheitspolizei aus Kamerun meint zunächst einmal, dass wir mit unserem Touristenvisa nicht in die RCA – ZAR, die Zentralafrikanische Republik einreisen dürften. Sie müssten rüber und dies checken und wollen gleich mal Benzingeld. Fängt ja prima an, wir verweigern und stehen auf dem Standpunkt, dass wir ausreisen möchten und uns dies mit den Leuten drüben selbst ausmachen werden. Der Kommissar fährt trotzdem und wir warten mal eine dreiviertel Stunde. Nur ja nicht von dem Getue beeindrucken lassen! „Ihr könnt eh einreisen!“, meint dann der Kommissar. Der nächste Kommissar ist total nett und korrekt und schreibt sich interessiert unsere Reiseroute auf – es gibt ja auch Lichtblicke.

Weiter zum Zoll, die unseren Pasavant Descriptif abstempeln und nochmals 5000 CFA, rund 8 EUR, dafür wollen. Wir verweigern der resoluten Matrone nochmals für den bereits bezahlten Passavant zu bezahlen. Jetzt testet sie uns wieder: „Ich muss die Fahrgestellnummer kontrollieren!“ – „Gerne!“, Rüdiger süffisant grinsend. „Wo befindet sich die Fahrgestellnummer?“, kommandiert die Zolldame. - „Vous êtes la specialste!“ – „Sie sind der Spezialist!“. Soll sie sich die Nummer doch gefälligst selbst suchen. Zuviel des Widerstandes für die Dame, wir werden zur Chefsache. Oh, wie freundlich ist der Chef und vorgeblich interessiert an unserer Reise, dabei denkt er nur an sein Schmiergeld. Zu guter letzt zahlen wir 2000 CFA, rund 3 EUR, schließlich wollen wir noch bei Tageslicht in die ZAR einreisen. Der Inspektor für Gesundheit will natürlich auch noch mal 2000 CFA und Rüdiger kontert mürrisch: „Der Botschafter von Kamerun in N’Djamena teilte uns mit dass mit dem Visa nichts mehr bei der Ausreise zu bezahlen sei und dass wir Leute, die Stempelgebühren oder ähnliches verlangen, melden sollen.“ – „Ihr könnt gehen!“

Setzen uns ins Auto und wollen endlich über die Grenze, da kommt noch ein Typ ohne Uniform und verlangt unsere Papiere. „Und wer sind sie?“, Rüdiger barsch. – „Von der Transportgewerkschaft!“ – „Ihnen gebe ich keine Papiere, wir haben bereits alle Formalitäten erledigt. Der Beamte am Grenzbalken wartet das Kräftemessen ab. Der Transportgewerkschaftler gibt klein bei und wir sind im Niemandsland. – Wenn die eigentlich korrekten Kameruner schon so korrupt sind, wird das heute ja noch eine üble Sache!

Die Steigerung! Einreise in die ZAR

Wir haben prompt den ersten Gendarmerieposten übersehen und werden von einem unfreundlichen Militär zurückgeschickt. Netter Gendarm ohne Schmiergeldforderungen.

Dann stehen wir wieder vor dem ersten Grenzbalken. Die Grenzgendarmerie nimmt unsere Daten freundlich plaudernd auf und will Geld, was sonst – es gibt einen Kugelschreiber. Gegenüber will die Grenzpolizei gleich 4000 CFA Stempelgebühren, wir bezahlen 2000 CFA – MIST! Dabei sind wir noch nicht mal bei der Immigration, die liegt einen Kilometer weiter hinten.

„Für die Fahrzeugdaten aufnehmen zahlt ihr 1000 CFA und für den Einreisestempel jeweils 2000 CFA!“, erklärt uns der Immigrationsbeamte . Wir verweigern und sind nur bereit 1000 CFA zu bezahlen. Wir werden wieder zur Chefsache. Der erklärt uns gleich mal, dass unsere Visa nicht gültig seien und erst nach einem Telefonat mit seinem Chef, den er am Sonntag ziemlich gestört haben dürfte, können wir einreisen und die restlichen 4000 CFA bezahlen – zuviel der Güte. Der Zoll liegt 6 Kilometer weiter hinten und anerkennt, oh Wunder, unseren Passavant Descriptif aus Kamerun, allerdings nicht ohne 5000 CFA für den Stempel zu verlangen. Dafür ist das Ding wieder einen Monat lang gültig und dies hat er nur ausnahmsweise für uns verlängert – welch ein Engel!

Einige Kilometer später eine Straßensperre. Wir müssen aussteigen und uns vor den Lauf eines geladenen und entsicherten Maschinengewehrs, welches am Boden mit 1000den Schuß Munition lauert, setzen. Reine Einschüchterungstaktik. Sollen Kaffeegeld bezahlen – wir verweigern und setzen uns ins Auto. Nach 15 Minuten lassen sie uns dann weiterfahren.

Um zur evangelischen Mission in Bouar zu gelangen sind wir nun spät dran, es sind noch 45 Kilometer und wir fahren nun gegen die Zeit. 70 – 80 km/h, doch die Lateritpiste ist ein wenig besser als in Kamerun. Kommen bei Sonnenuntergang in Bouar an der nächsten Straßensperre an. Der Gendarm, sein Vorname ist Wolf, freut sich, daß Rüdigers Vater Wolfgang heißt, außerdem kann er ein wenig deutsch und spanisch und möchte ein Bier. Überhören wir geflissentlich und verabschieden uns nett. Auf der andern Seite die korrupte Polizei, die uns erklärt, dass sie uns nochmals Einreisestempel geben müsse. „Wir sind bereits eingereist und benötigen den Platz in unseren Pässen für Visa, Einreise- und Ausreisestempel und benötigen keine weiteren!“ – Es ist bereits dunkel, wir sollten von der Straße und Rüdiger bezahlt nochmals 4000 CFA ohne Stempel, der ist sowieso unnötig.

Wollen weiter und sollen auch noch zum Zoll: „5000 CFA!“ – „Jetzt reicht es, ist nicht möglich!“ – Wir bekommen den Stempel gratis.

Bilanz der Operation ausgenommene Weihnachtsgans : 14 000 CFA, rund 22 EUR – für die hiesigen Zustände haben wir uns ganz wacker geschlagen. Doch ab jetzt haben wir Zeit, sind von der Grenze weg und sitzen die weiteren Forderungen aus.

Ein sicherer Hafen – die deutsche evangelische Mission

Suchen die deutsche Mission jetzt im Dunkeln. Fahren an weiteren Halte Schildern einfach vorbei und klopfen bei Mirko, dem evangelischen Pastor und seiner Frau Rachel an. „Mensch Wahnsinn, Österreicher! Wie kommt ihr hierher?“ – „Mit unserem Ford Transit!“ – „Gemietet?“ – „Nein aus Österreich!“ – „Das ist ja Irre, kommt rein!“ Wir werden spontan zum Abendessen eingeladen, trinken guten Wein und werden mit westlichen Köstlichkeiten verwöhnt – paradiesisch! Gisi hat leider Durchfall und leidet nichts essen zu können. Erkundigen uns über die Situation auf der Route. Mirko: „Die Polizei hat letze Woche gerade über 30 Banditen getötet, hier macht man keine Gefangenen. ... Auf der Route muß man Forderungen von Militär und Polizei mit einem bestimmten Nein! verweigern, die Regierung ist jetzt gegen Korruption und dass spricht sich langsam herum!“ – Mal sehen wie wir ohne Missionsauftrag so durchkommen, der bisherige Vorgeschmack hat es ja in sich gehabt.

Klaus der Missionsarzt

Klaus, der Missionsarzt aus Schärding in Oberösterreich kommt auch vorbei – endlich kann er wieder Dialekt sprechen. Wir können bei ihm und seiner Frau Eva, die im achten Monat schwanger ist, die Nacht verbringen. Als Arzt muß er hier mit minimalsten Mitteln arbeiten, da sich die Leute selbst die einfachsten Behandlungen kaum leisten können. Das Spital erhält sich jedoch mit dem Verkauf von Medikamenten – ein Teufelskreis. Gratis Aidsmedikamente zu verteilen, wie es die katholische Mission praktiziert, ist gut gemeint, jedoch auch nicht der richtige Weg – die Medikamente werden am Schwarzmarkt weiterverkauft. Ergo muss eine Behandlung zumindest einen symbolischen, leistbaren Betrag ausmachen. Klaus arbeitet bereits sehr erfolgreich mit Homöopathie, die für die Leute bezahlbar ist. Bei Schwerverletzen funktioniert das natürlich nicht. Zuerst müssen die Operationshandschuhe, Infusionen, etc. gekauft werden, und oft verblutet in der Zwischenzeit der Patient – traurige Alltagsrealität. Klaus hat seit einigen Wochen eine tolle Homepage www.schustereder.info und sammelt Spenden, die gezielt eingesetzt werden. Es mangelt im Krankenhaus auch an der Ausstattung. Der Gynostuhl sieht aus wie aus dem 19. Jahrhundert. Viele Untersuchungen können nicht getätigt werden...

 









Kommentare

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