So 3.7.2005

TAG 4

Die Profis

Wir sind gerade mit dem Frühstück fertig, am Verräumen und wollen uns die schwierige Sandpassage, die gleich am Anfang vor uns liegt zu Fuß ansehen. Zwei Toyota-PKW - ohne Stoßstangen, Lichter, Öl verlierend und auch sonst arg lädiert - kommen zu uns herüber gefahren und fragen uns ob wir eine Panne haben. „Nein! Wir haben hier nur übernachtet und brechen bald auf!“ „Kennt ihr den besten Weg?“, fragt uns einer der Fahrer. – „Wir folgen einfach den Spuren, doch ihr kennt sicher die besten Umfahrungen. Können wir uns eventuell an euch dranhängen?“ – „Klar, kein Problem! Nur schnell, schnell, wir wollen noch heute in Bol sein!“

Fünf Minuten später haben wir die tiefsandige Stelle umfahren und sausen mit einem Affenzahn – 70 km/h – dahin. Dazwischen immer wieder Tiefsandstellen, Abhänge, die wir hinunter rutschen müssen, unten wieder Tiefsand, 22 Grad Seitenneigung, Dünen. Eine einzige Zitterpartie. Einmal ist Hidalgo am Kippen, Rüdiger fängt ihn jedoch mit einer schnellen Lenkbewegung wieder auf – inzwischen Routine. Die Jungs vor uns, 4 an der Zahl sind absolute Profis und wissen genau wo sie fahren. Schließlich haben sie weniger Bodenabstand als wir, bei einem fehlt bereits die gesamte Stoßstange samt Kotflügel. Sie haben bereits die Strecke von Togo über Burkina Faso und den Niger hinter sich – ein Kinderspiel gegen die Umrundung des Lac Tchad, Tschadsees. Die Autos verkaufen sie im Tschad und dann geht es weiter im Karussell zurück nach Togo ....

Die Schlüsselstelle – 25 Meter Sanddüne

Wir sind gerade wieder eine steile Düne hinuntergerutscht, fahren kann man das ja nicht mehr nennen, da sehen wir die Warnblinkanlage des ersten Toyota aufleuchten. Vor uns die Schlüsselstelle des heutigen Tages – eigentlich der ganzen Strecke, wir wissen es nur noch nicht -, eine rund 25 Meter hohe Sanddüne, die man kaum schräg an der steilen Flanke anfahren kann. Einer der Fahrer begutachtet das Hindernis und meint, dass wir es schon schaffen werden. Er bleibt auf Dreiviertel der Strecke auf der Strecke, detto der andere Toyota. Zurückrutschen und mit viel Schwung schafft es diesmal der erste Fahrer mit einem Militär als Beifahrer. Toyota Nummer zwei versucht sich an Büschen vorbeizumogeln und wir müssen ihn vom Busch hinunter schieben. Na toll! Beim dritten Anlauf schafft er die gemeine Düne. Jetzt sind wir an der Reihe. Gisi steigt aus, um ein wenig das Gewicht zu reduzieren. Rüdiger setzt zurück, die Kurve am Fuß der Düne hängt jedoch mit rund 9 Grad, wie am Neigungmesser abzulesen ist. Rüdiger beschleunigt so weit es die Kurve zuläßt und rast auf die Düne zu. Bei Zweidrittel der Strecke auf den ersten Gang schalten – fast schon oben, da beginnt Hidalgo die Puste auszugehen. Also Kupplung schleifen lassen und beten! Nach quälenden weiteren Sekunden hat sich unser treues Gefährt die letzen Meter hinaufgekämpft – geschafft! Die anderen gratulieren Rüdiger zur Leistung, schließlich bringen wir rund 2,8 Tonnen auf die Wage und haben damit ein erhebliches Handicap gegenüber den leichteren PKWs. Gisi schockte vor allem die Schräglage bei der Kurve am Fuß der Sanddüne, zum Glück ist der Schwerpunkt tief unten – die gesamte Zuladung befindet sich im unteren Drittel.

Die Jungs vor uns rasen bei gut greifendem Untergrund dahin wie die Wahnsinnigen. Schneller als 70 km/h können wir jedoch mit reduziertem Reifendruck schon aus Sicherheitsgründen nicht fahren. Somit hängen sie uns immer wieder mal ab. Es wird zum Kunststück die Spur nicht zu verlieren. Gisi ist die Rallyebeifahrerin und gibt Kommandos: „Linke Spur, es ist die linke Spur! Sie sind 300 Meter weiter vorne links auf der Düne!“ – Rüdiger ist mit der Strecke beschäftigt. – „Wir müssen da links runterrutschen – Achtung du kommst in die Schräglage! Unten ist Weichsand! Da, sie nehmen die Düne wieder in der Mitte!“ So geht es die ganze Zeit und nur kurze Streckenabschnitte zum Verschnaufen – 20 Sekunden sind schon viel und Gisi schießt ein paar Fotos von der begrünten Landschaft!“

Schnappschüsse von der Strecke

Links schreckt ein grauweisser Hengst auf – dem armen Vieh sind die Vorderbeine zusammengebunden und diagonal führt noch ein Strick zum hinteren Huf. Immer wieder panische Kamele, die vor uns her galoppieren. Ein weißer Esel grast seelenruhig vor einer weißen Sanddüne – unglaubiche Bilder. „Da, fliegt wieder der schöne blaue Vogel“, Rüdiger fasziniert – rums, wir sind zum x-ten Male aufgesessen. Die Strecke erfordert höchste Konzentration und Seitenblicke können leicht ins Auge gehen. Wir rasen durch Dörfer genauso, wie durch die Landschaft. Die Momentaufnahmen graben sich jedoch unauslöschlich ins Gedächtnis.

Das tägliche Einsanderlebnis

„Mist, die Spur war falsch! Die können unmöglich da lang gefahren sein!“, Rüdiger entsetzt. Wir befinden uns in einem nicht enden wollenden Sandfeld mit kleinen Dünen.

Der Sand trägt extrem schlecht, wir schaffen es gerade noch mit schleifender Kupplung über einige der fiesen Dünen, die letzte vor Liwa, auch Lioua wird uns zum Verhängis. Dabei ist sie gerade mal fünf Meter hoch, jedoch absoluter Tiefsand. Kurz vor der Kuppe sanden wir, irgendwann ist die Glückssträhne vorbei, ein. Autsch! Jetzt haben wir die anderen verloren. Wir begutachten mal die ganze Misere, sieht schlimm aus. Wir können nicht zurück, da wir aus dem Tiefsand unmöglich beschleunigen können und die letzte tragende Stelle liegt rund 600 Meter zurück. Wenn wir die Kuppe schaffen sind noch rund 200 Meter gemeinster Tiefsand und dahinter ein halbwegs tragendes Sand zu meistern. Im Dorf ist eine feste Stelle vor einer Hütte, wo wir einige Meter zum Beschleunigen haben – prima! Doch zuerst geht es ans Befreien: Buddeln um die Hinterachse frei zu bekommen und bei den Reifen, um die Sandbleche unterzuschieben. Inzwischen haben sich bereits einige vom Dorf bei uns versammelt und geben gute Ratschläge. Mit schiebkräftiger Unterstützung von einigen Jungs und Gisi sind wir wieder frei.

Unsere neuen Rallye-Freunde sind sogar umgekehrt und warten auf uns im Dorf. „Wir sind die Sandstellen links umfahren. Nach dem Dorf nehmt die linke Spur dort seht ihr uns dann schon!“ Wir sehen leider mal wieder niemanden, befinden uns wieder im Sch...Tiefsand. Von den beiden Toyotas keine Spur, wir nehmen die Einzige die wir finden. Erst nach rund zwei Kilometer trägt der Sand wieder normal, wird später sogar begrünt! Uns reicht es nach 89 Kilometern für heute und wir schlagen unser Nachtlager unter einer Akazie auf. Unsere Profis haben wir leider aus den Augen verloren.

 






Kommentare

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