Do 12.5.2005
Po im Dogonland
Um dreiviertelsieben Uhr ist unser Zelt von Frauen umzingelt, die auf dem Weg zum Feuerholz suchen sind. Wenn wir auf die Bon Jour, also Guten Tag Rufe reagieren würden, wäre dies das Ende der Nachtruhe. Sind jedoch noch nicht aufgelegt zum Plaudern und schlafen hartnäckig weiter – auch wenn ein paar ganz forsche Mädels bereits zum Zelt hinein lugen.
Irgendwann, so gegen halb neun, brennt uns dann die Sonne zu sehr auf den Pelz und wir müssen auf. So um die zehn Kids und Jugendliche warten bereits auf unser Auftauchen in angenehmen Abstand zum Zelt. Po, Guten Tag - die Kinder ein wenig verwundert, da wir ein paar Brocken ihrer Sprache am Vortag aufgeschnappt haben. Ein Junge hat eine besonders schön geschnitzte Steinschleuder, die uns gefällt. Tauschen wäre ok, doch zuerst wollen wir Frühstücken. Jeder Handgriff wird mit großer Neugier verfolgt. Wir fühlen uns jedoch nicht, wie schon oft zuvor, gänzlich unserer Privatsphäre beraubt – die Stimmung paßt einfach.
Nach dem Frühstück beginnt das Tauschen: Steinschleuder gegen die alte nicht mehr ganz funktionierende Therm-a-Rest Matte, die jedoch noch eine prima Sitzgelegenheit abgibt plus T-Shirt. Die zwei anderen Shirts sind auch schnell gegen eine Baobabfruchtrassel und gegen ein Amulett getauscht. Wir versprechen Mathieu, Adou, Salif, Amadou, Allaye, Moussa und den anderen bei der Rückfahrt im Dorf vorbei zu kommen. Alle haben den gleichen Nachnahmen in diesem Dorf: Sagara!
Das hier Leute aus dem Westen sind die tauschen wollen hat sich in Windeseile in Yawa herumgesprochen. Ein Junge erwischt uns gerade bei der Abfahrt mit einem Dogonkamm, einem Stab mit einer schön geschnitzten Figur als Griff, um zu tauschen. Das schöne an Tauschgeschäften ist, dass immer beide Seiten zufrieden sind und die Kids nicht mit dem üblen Touristenkram daherkommen.
Dann geht es weiter. Die Kids haben uns noch den Weg zu den nächsten Dörfern beschrieben. Zuerst steinige und dann sandige Piste – inzwischen wissen wir, wie wir dies bewältigen. Sind wie immer die einzigen nicht 4x4-Gefährte, haben gestern und heute gerade mal vier davon gesehen. Wo ein Eselkarren durchkommt , schafft es in der Regel auch Hidalgo.
Der schweigsame Gast
Sandig bis tiefsandig geht es hügelauf und –ab in Schrittempo weiter. Ein Baum in einer Senke wird unser Nachplatz. Keine fünf Minuten später kommt ein Dogonjunge mit einem barschen Bon Jour auf uns zu und setzt sich zwanzig Meter entfernt neben das Auto. Er will nicht mit uns reden; will er ein Cadeau, will er mit uns Essen? Wir ignorieren ihn und machen uns ans kochen. Bald kommt ein freundlicher Jäger, Amadime, vorbei und die Stimmung schlägt wieder ins Positive um. Man kommuniziert wieder mit uns und Amadiu starrt uns nicht länger schweigend an, er lächelt sogar. Amadime bringt uns weitere Dogonwörter bei und unsere Vokabelliste wächst.

