Fr 15.4.2005 - So 17.4.2005
Hoch zu Ross
Sind einen Eselkarrenweg abgebogen. Bald heißen uns die ersten Besucher willkommen. Einige von ihnen hoch zu Ross. Die Pferde sind wohl genährt und der ganze Stolz ihrer Besitzer. Sie sind neben den Eseln und wenigen Motorrädern das übliche Fortbewegungsmittel in der Gegend, wie uns Breman, selbst eine alte Suzuki fahrend, erklärt.
Ein Triumvirat lädt uns sogar ins Dorf ein – leider liegt es ziemlich schwer zugänglich und unser Durst auf schweres Gelände ist vorerst mal gestillt.
Serada und der Pumpbrunnenl
Serada ist ein Dorf wie aus dem Klischee. Kleine runde Lehmhütten mit den ganzen Tieren dazwischen und dem bunten Dorftreiben. Die wichtigen Männer sitzen beim Tee und erlauben uns Wasser zu fassen. Diesmal ist es ein Brunnen mit einer Handpumpe. Das Wasser ist ohne jede Trübung. Schmeckt köstlich! Nach kurzer Zeit sind unsere Vorräte wieder aufgefüllt. Das beste Wasser seit Wochen! Der Brunnen wurde von einer Brunnenbaufirma aus Bamako errichtet und ist der Mittelpunkt des Dorfes. Jeder trifft hier jeden auf ein kurzes Pläuschchen. Heute ist natürlich den Weißen beim Pumpen zusehen die Attraktion des Tages. Kaufen den Männern noch etwas ab, dass wie gebackene Mäuse bei uns aussieht und auch schmeckt. Die Frage nach Cadeaux stellt natürlich immer einer, doch ist sie in Mali nicht so ernst gemeint wie in Mauretanien – aber versuchen kann Mann es halt mal. Bei Einladungen bringt man selbstverständlich ein Cadeau, analog einer Flasche Wein bei uns, mit.
Rüdiger möchte seit Tagen endlich mal an einem Ort bleiben. Wasser haben wir schon mal, und so machen wir uns auf die Suche nach einem Eselkarrenweg, wegführend von der Piste. Der erste Ausflug nach rechts ist ein Rohrkrepierer. Absolut öde Gegend und nur vertrocknete Bäume. Auf der anderen Seite geht auch ein Weg. Wir fahren rein. Müssen sehr aufpassen, Eselkarren sind nicht so hoch wie Hidalgo und passen bei Bäumen besser durch. Immer wieder müssen wir mal aus der Spur herausfahren. Nach rund fünf Kilometern erspähen wir ein paar schöne grüne Bäume. Das Unterholz und Gras ist durch einen Brand praktischerweise vernichtet . Wir können ohne Probleme zur Baumgruppe unserer Wahl fahren. Viel Schatten spenden die Bäumchen zwar nicht, doch besser als in der Wüste sind die Bäume im Sahel allemal.
Termitenbauten von innen
Es sind unheimlich viele Termitenburgen in der Gegend um uns. Alle leer gefegt durch das Feuer. So kann Rüdiger endlich einmal die Konstruktion von innen ansehen. Mit der Axt und der Schaufel bricht er sich in mühevoller Arbeit einen Weg in einige der verlassenen Bauten. Unglaublich, was die winzigen organisierten Termiten in Gemeinschaftsarbeit alles errichten. Die Röhren sind riesig und erinnern ein wenig an die Welt des H.R. Giger im Film Alien - daher hat er sich, wie er selbst schreibt, auch einige Inspirationen, geholt.
Der Superorganismus
Eigentlich glaubten wir alle Termiten durch das Feuer hingemeuchelt. Irrtum - Sie Leben! Die Termiten in den Türmen wurden beim Brand großteils Opfer ihrer eigenen Ventilationstechnik: Der Rauch wurde hinein gesaugt. Es gibt jedoch viele Löcher im Boden, aus denen am Abend die Überlebenden hervorkommen. Die Wege davor sind schwarz verästelt – aufgrund der Asche? Die riesigen Wächtertermiten bewachen die kleinen flinken Arbeiter und einige Scouts inspizieren unsere Müllgrube. In einem der großen, von Rüdiger aufgebrochenen Türme, wurde eine der Ventilationsöffnungen über Nacht repariert. Also sind auch hier Überlebende, die jedoch zu wenige zur Verteidigung gegen Rüdiger, den „Ameisenbären“, waren. Die gesamte Gegend hat pro Quadratmeter rund 22,4 Eingänge und auch die Türme dürften verbunden sein. Zumindest mal zwei, wie der „Ameisenbär durch Grabungen feststellte, also ein Superorganismus? Auch unter unserem Zelt befinden sich zwei Eingänge und die ganze Nacht hörten wir sie rascheln. Termiten zerlegen einen Zeltboden in wenigen Stunden, so einige der Geschichten die wir hörten. Doch Tus mach Schluß mit Zeltboden zerlegenden Termiten!





